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Geschichtsschreibung und das alte Germanien

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Sicher hat jede Zeit ihre eigene Art Geschichte zu betrachten, aber es gibt einen kolossalen Unterschied in den deutschen Geschichtswerken heute – im Ton oder in der Tendenz – zu allem, was im 19.Jahrhundert und im zwanzigsten bis zum Ende des 2.Weltkriegs zu lesen war. Während früher eine die Betrachtung von Denkern und Denkerinnen entwickelt wurde, kann man heute den Eindruck bekommen, daß bestimmte Richtlinien oder Tendenzen vorgeschrieben sind: In den meisten Schriften über Geschichte ist eine moralische Verurteilung enthalten. So als sei der moderne Wohlstandsmensch sittlich und geistig höherstehend. Aber in Wirklichkeit hat das Fernseh-Zeitalter Passivität und Denkfaulheit gebracht. Man macht sich eben Illusionen.
Kurz gesagt, es scheint, der Gesichtspunkt hat sich verschoben, die deutsche Vergangenheit wird als etwas Fremdes, nicht zu uns gehörendes betrachtet. Der Einfluß von außen, der Frankfurter Schule um 1968, die marxistischen Materialismus mit Theorien Freuds verbindet, hat sich ausgebreitet, und außerdem waren die Medien und Fernsehen für Kritik nicht zugänglich, auch nicht für aktive Mitarbeit, bis im Internet eine freiere Öffentlichkeit entstanden ist.
Aber im Großen und Ganzen hat man sich jetzt nicht mehr auf das Erforschen eigener Quellen bezogen, auf die deutschen Traditionen von Denkern, Philosophen und Kultur. Man kann es es eine „Ameriakanisierung“ durch Medien ind Hollywood nennen, wozu der Journalist Paul Craig Roberts auf die Frage, was ist „Amerika“, dem viele in der Welt als Vorbild nacheifern?, sagte: „Propaganda“. – allerdings kann man, glaube ich, die „Amerikaner“ nich so einfach mit den nachfolgend beschriebenen Römern gleichsetzen, nur als Beispiel, wie eine Sichtweise „von außen“ durch Fremde sehr beschränkt ist – und auch nicht um anzudeuten, daß diese „von außen“ heute eine wirkliche Kultur, wie die der Antike, besäßen… außerdem war das Militärtribunal von Nürnberg nach Kriegsende, das man mit dem letzen Absatz des folgenden Ausschnittes vergleichen könnte (Römer – „Barbaren“), nicht wirklich von amerikanischen Vorstellungen geprägt, nehmen wir mal an… oder es handelt sich um Kopien der antiken Vorbilder a la Hollywood – „Geschichte“.
Eine Zeitströmung, so ist mein Eindruck, im Vergleich zum 19.Jahrhundert, daß die Forschung heute wenig originell ist, das meiste wird abgeschrieben.
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Hier ist ein Beispiel aus ferner Geschichte, das eine Ähnlichkeit mit dieser Situation hat:
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Wilhelm Capelle (bekannt durch „Die Vorsokratiker“) schreibt
im Vorwort zu „Das alte Germanien“, Eugen Diederichs 1937:
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„Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist gerade in unseren Tagen in dem deutschen Geschlecht nach dem unglücklichen Ausgang des Weltkrieges, das Interesse für die alten Germanen wie für das Germanentum überhaupt lebendiger und tiefer als jemals seit den Tagen des Beatus Rhenanus. Und auch die Erkenntnis, daß gerade uns, die wir eine Wiedergeburt des deutschen Volkes mit allen Fasern unseres Wesens ersehnen und erstreben, die alten Germanen, soweit wir geschichtliche Kunde von ihnen besitzen, noch etwas zu sagen haben, was unserem Leben Hochziel und Richtung geben kann, daß die geschichtlichen Nachrichten von ihnen für die Zukunft der deutschen Seele und ihre Wiedergeburt noch unwägbare Werte in sich bergen, die es nur einmal auf dieser Welt gibt, die daher durch keinerlei andere Kulturinhalte ersetzt werden können erobert sich immer weitere Kreise.“

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und er schreibt in der Einleitung:
„… Wer die Gesamtheit der antiken Zeugnisse von den Germanen überblickt, dem kommt vor allem eins immer aufs neue schmerzlich zum Bewußtsein: die ungeheuere Trümmer= und Lückenhaftigkeit der antiken Überlieferung von den Germanen! Die großen Hauptwerke, die – das können wir mit vollkommener Sicherheit sagen – von den Germanen geradezu unschätzbare Nachrichten enthalten haben, die Historien des Poseidonios, die betreffenden Bücher des Livius, (Buch 104, und 139 bis 142), die zwanzig Bücher umfassenden „Germanenkriege“ des älteren Plinius, … – all diese und andere Werke sind ebenso hoffnungslos verloren gegangen wie die „Annalen“ desselben Plinius oder die bedeutenden Werke seines Vorgängers Ausidius Bassus … {und vieles andere} Und selbst von Tacitus‘ Annalen und Historien ist nicht einmal die Hälfte auf uns gekommen. Was aber von den genannten und anderen … historischen Werken der Antike erhalten ist, das sind – zum mindesten, soweit es die Germanen angeht – kärgliche Notizen oder kümmerliche, meist aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke aus einem einst unendlich reichen Ganzen , oft noch durch flüchtige Benutzung von seiten der späteren Autoren entstellt und von Mißverständnissen und Irrtümern durchsetzt, …
Doch darf man demgegenüber auch die Tatsache nicht unterschätzen, daß uns von wirklich bedeutenden Schriftstellern, die von den Germanen sprechen, ganz oder doch zum guten Teil erhalten sind: Cäsars Gallischer Krieg, mehrere Bücher der Annalen und Historien des Tacitus sowie aus dem dritten Jahrhundert ein überaus großer Teil des umfangreichen Werkes des Cassius Dio, nebst eingehenden Auszügen aus den verlorenen Büchern seines Werkes, und aus dem vierten Jahrhundert von dem Geschichtswerk des Ammianus Marcellinus die Bücher XIV bis XXXI, d.h. die Geschichte der schicksalsschweren Jahre 353 bis 378 nach Christus. Andererseits ….
{eine wichtige Tatsache:} Kein einziger von den uns bekannten antiken Autoren über die Germanen – mit alleiniger Ausnahme des Poseidonios, dessen Werke uns größtenteils verloren sind – .. hat ein wirklich wissenschaftliches Interesse für die Germanen gehabt; keiner von ihnen hat Germanien selber als Forscher bereist … Und wer später von Griechen oder Römern – die Griechen fallen hier fast ganz aus – selber in germanischen Landen oder Gewässern gewesen ist, der ist dorthin nicht etwa als Erforscher von Land und Leuten gekommen, sondern entweder – wie Caäsar und Plinius – als Soldat, d.h. als Offizier in Feindesland oder als unternehmender Kaufmann … Hierbei werden auch bei den Höchstgebildeten unter diesen Römern meist ganz unberücksichtigt bleiben, Seiten, die gerade das innerste Wesen der germanischen Seele angehen, wie denn z.B. die antiken Nachrichten von der Religion der Germanen äußerst dürftig und obendrein, wie z.B. bei Cäsar vielfach vollkommen falsch sind… und noch ein weiterer Grund: kein einziger von all diesen Römern hat die Sprache auch nur eines germanischen Stammes selbst verstanden, geschweige denn selbst sprechen können.
Diese grundlegende Tatsache – für die Beschränktheit des antiken Wissens von den Germanen – hängt auf das engste mit der Kluft zusammen, die auch im Bewußtsein des gebildeten Römers zwischen Römern und Germanen, d.h. zwischen Römern und „Barbaren“ besteht und bis tief in das vierte Jahrhundert hinein, ja in gewissem Sinne bis an das Ende der Antike bestanden hat, trotz aller Aufklärung der hellenistischen Philosophie, die im Gegensatz zu Aristoteles und Platon mit dem halbsemitischen Gründer der Stoa die Zweiteilung der Menschheit in Hellenen und Barbaren verworfen hatte; für den echten Römer bleibt diese Kluft zwischen Römern und „Barbaren“ allezeit bestehen. – …
Gegenüber diesen „Barbaren“ gilt natürlich auch kein Völkerrecht; wenn aber diese „Barbaren“ ihrerseits das Völkerrecht (angeblich oder wirklich) verletzen, ist man darüber höchst entrüstet. So gilt auch das Leben germanischer Verbündeter im Ernstfall dem Römer nichts, wie man denn andererseits gefangene germanische Feinde, selbst ihre Könige, den Raubtieren im Zirkus zu Trier zur Belustigung des römischen Publikuns preisgegeben hat. …
Und hiermit hängt ein anderer Punkt von grundlegender Wichtigkeit zusammen: die starke Einseitigkeit und parteiische Stellungnahme , insbesondere der meisten römischen Autoren, gegenüber den Germanen! …{man} darf dabei niemals vergessen , daẞ wir über das große Thema „Römer und Germanen“, über die jahrhundertelangen, meist feindlichen Begegnungen und Berührungen zwischen beiden Völkern, – nur die Äußerungen der einen Partei besitzen – wie ganz anders würden wohl die Dinge erscheinen, wenn uns dazu auch Äußerungen von gleichzeitiger beteiligter germanischer Seite vorlägen!
Wenn wir uns nur einmal erinnern wollen, welch unglaublich verzerrtes Bild von dem Ursprung und Verlauf des Weltkrieges künftigen Geschlechtern vererbt werden würde, wenn diesen von dem furchtbaren Völkerringen der Jahre 1914-1918 nur Schriften von französischer, englischer, amerikanischer und italienischer Seite erhalten blieben.
…………..

Written by einedeutscheweise

4. September 2010 um 03:43

Veröffentlicht in Geschichte

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