eine deutsche Weise

einedeutscheweise.wordpress.com

Luther und die Märchen

leave a comment »

Doctor Luther hat seine Mühe an den alten und verunreinigten Esopum *) legen und seinen Deutschen ein verneuertes und geschwertes Märleinbuch zurichten wollen, daran der Zeit viel guter Leut ein sonderes Gefallen trugen, – aber, weil sich der theure Mann an der Biblia neben viel Predigen und Schreiben abgearbeitet, verblieb dies angefangene Werk, welches Anfang gleichwohl Magister Georg Rörer hernachmals in den neunten Theil der deutschen Bücher Lutheri hat bringen lassen. – Im schönen Hofpsalm – – gedenkt der Doctor des Affen, so Holzspalten wollte und des Keils vergaß, und da er die Axt auszog darüber zu Schanden kam. Er gedenkt auch des Frosches, so auf dem Heller saß und sich rühmet, Geld brächte Ehre.

Ueber Tisch hab ich etliche gute Fabeln von ihm gehört, als von der Krähe, so die Affen strafte, die aus einem Johanneswürmchen Feuer blasen wollten, und darüber ihren Kopf verlor. (Eine nicht unbekannte Fabel, die z.B. in Walchs decas fab. steht.)

Schuppii Schriften. Fabul-Hans. S. 530.

Johannes Müller.
„Man sollte die Weisheit der Völker, bei denen man lebt, in ihrer mannichfaltigen Gestalt, selbst in Liedern,

quas ad ignem aniculae narrant puellis,

aufspüren und in Umlauf bringen.“
………………………………………………………………..
*) Aesop?
…………………………………………………………………….

Kinder-
und
Haus-Märchen.

Gesammelt durch die Brüder Grimm.
Berlin, in der Realschulbuchhandlung. 1812.

An die Frau
Elisabeth von Arnim
für den kleinen Johannes Freimund

Vorrede.
Wir finden es wohl, wenn Sturm oder anderes Unglück, vom Himmel geschickt, eine ganze Saat zu Boden geschlagen, daß noch bei niedrigen Hecken oder Sträuchen, die am Wege stehen, ein kleiner Platz sich gesichert und einzelne Aehren aufrecht geblieben sind. Scheint dann die Sonne wieder günstig, so wachsen sie einsam und unbeachtet fort, keine frühe Sichel schneidet sie für die großen Vorrathskammern, aber im Spätsommer, wenn sie reif und voll geworden, kommen arme, fromme Hände, die sie suchen; und Aehre an Aehre gelegt, sorgfältig gebunden und höher geachtet, als ganze Garben, werden sie heimgetragen und Winterlang sind sie Nahrung, vielleicht auch der einzige Samen für die Zukunft. So ist es uns, wenn wir den Reichthum deutscher Dichtung in frühen Zeiten betrachten, und dann sehen, daß von so vielem nichts lebendig sich erhalten, selbst die Erinnerung daran verloren war, und nur Volkslieder, und diese unschuldigen Hausmärchen übrig geblieben sind. Die Plätze am Ofen, der Küchenheerd, Bodentreppen, Feiertage noch gefeiert, Triften und Wälder in ihrer Stille, vor allem die ungetrübte Phantasie sind die Hecken gewesen, die sie gesichert und einer Zeit aus der andern überliefert haben.

https://secure.wikimedia.org/wikisource/de/wiki/Kinder-_und_Haus-M%C3%A4rchen_Band_1_%281812%29

…………………………………………………………….

Written by einedeutscheweise

7. September 2010 um 13:34

Veröffentlicht in Volkstum

Tagged with , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: