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Heliand

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Leipzig/MZ. 2006. Was er suchte, fand er nicht. Was er fand, hätte niemand zu suchen gewagt…. sagt Thomas Döring, sei er „mit schiefem Kopf“ die Buchreihen entlang spaziert. Sein Blick traf auf einen kleinen Oktavband, eingebunden in beschriebenes Pergament. Karolingische Schrift, mehr als 1 000 Jahre alt. Vor allem: Kein Latein! Döring griff zu, trug das Büchlein zu den Handschriftenexperten…
Heliandspergament Ein Fragment aus dem so genannten „Heliand“. Eine um 830 verfasste Nachdichtung der Evangelien, die ein unbekannter Autor in einem norddeutschen Kloster aufgeschrieben hat. Eines der frühesten Zeugnisse deutscher Dichtung überhaupt. Schriftsprache: Althochdeutsch. Versart: Altgermanischer Stabreim. Die Zeilen werden nicht durch Gleichklang am Ende, sondern durch Wörter mit demselben Anlaut gebildet. “ Gangat gahalico endi giduat it them is giungarom kud“, das heißt: „Gehet schnell und tut es seinen Jüngern kund“…..

Luther las mit
Das Leipziger Blatt umhüllte zwei Bücher in einem: darunter ein 1608 in Wittenberg veröffentlichter Aristoteles-Kommentar von Jacob Martini. Man geht davon aus, dass die „Heliand“-Handschrift, aus der das Donnerstag in Leipzig präsentierte Fragment stammt, zwischen 1600 und 1610 im mitteldeutschen Raum zerschnitten worden sei, entweder in Wittenberg oder in Leipzig. Auch das Berliner Blatt kleidete ein Buch zum studentischen Gebrauch. Luther und Melanchthon hatten den „Heliand“ noch nachweislich gelesen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Leipziger Blatt zu jenem Buch gehörte, das durch die Hände der Reformatoren gegangen ist.
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Gesprochene Beispiele der Stabreime sind hier zum Herunterladen mp3
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Übersetzung von Simrock bei Gutenberg

aus: Fitt 51. Vom Weltuntergange
…………
Nun war ein berühmter
Berg bei der Burg, der war breit und hoch,
Grün und schön; die Juden hießen ihn
Ölberg mit Namen: da hinauf begab sich
Der Nothelfer Christ, da die Nacht begann,
Und blieb da mit den Jüngern; der Juden keiner
Wußt ihn da weilen, denn im Weihtum wieder
War der Leute Herr, wenn das Licht von Osten kam,
Empfing das Volk da und sagt‘ ihm viel
Wahrer Worte. In dieser Welt ist nicht,
In diesem Mittelgarten, ein Mann so beredt
Unter der Leute Kindern, daß er die Lehren könnte
Zu End erzählen, die da alle sprach
Im Weihtum der Waltende. Ihnen wies sein Wort,
Nach dem Gottesreiche begehren sollten
Die Menschen am meisten, daß sie an jenem mächtigen Tage
Dereinst ihres Herren Herrlichkeit empfingen.
Er mahnte sie der Sünden: die müßten sie vor allem
Zu löschen verlangen und das Licht Gottes
Im Gemüte minnen, Meintat lassen
Und die leidige Hoffart, und Demut lernen,
Sie im Herzen hegen: so würd ihnen das Himmelreich,
Der Güter höchstes.
Da ward der Hörer viel
Zu seinem Willen gewandt, da sie das Wort Gottes,
Das heilige, hörten und des Himmelskönigs
Hohe Kraft erkannten und des Heilands Kommen,
Des Herren Hilfe. Ja, das Himmelreich war
Rettend nun genaht und Gnade Gottes
Den Menschenkindern.

Doch ward ihm mancher
Nun gänzlich gram der grimmen Juden,
Bissig böse. Die Erbitterten wollten
Sein Wort nicht hören, wehrten sich mächtig
Gegen Christi Kraft, konnten nicht dazu kommen,
Die Leute, vor leidgem Streit, daß sie den Glauben an ihn
Fest erfaßten: das Heil blieb ihnen fern,
Daß sie das lichte Himmelreich erlangen mochten.

Da ging der Gottessohn, und seine Jünger mit ihm,
Aus dem Weihtum, der Waltende, nach freiem Willen,
Und erstieg den Berg, der Geborne Gottes,
Saß mit den Seinen da und sagt‘ ihnen viel
Der wahren Worte.
………………………………………..(so um die Zeilen 4200)

Written by einedeutscheweise

26. September 2010 um 18:05

Veröffentlicht in Altertum, Volkstum

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