eine deutsche Weise

einedeutscheweise.wordpress.com

Christian Zionists- „Evangelicals“

with 2 comments

Sebst weiß ich zu wenig darüber, aber nach christlichem Verständnis ist der „Alte Bund“ mit Israel aufgelöst und Zion ist das Christentum, manchmal wurde es auch als „die Kirche“ beschrieben, oder es ist das Reich Gottes. Es ist sowieso zweifelhaft ob die meisten heutigen Juden eine Beziehung zu Palästina haben, da Khazaren und Berber u.a. wahrscheinlicher als ihre Vorfahren gelten müssen. Der „Christliche Zionismus“, ist etwas anderes, eine einflußreiche Strömung in Amerika – weniger bekannt in Europa (z.B.:Pfarrer Fliege hatte darüber berichtet, wer den Irak-Krieg unterstützt), sodaß hier vielleicht ein Artikel aus Le Monde angebracht ist:

Christliche Fundamentalisten – „Evangelicals“ (und die damalige -2004- amerikanische Präsidentenwahl) – und ihre falschen Propheten

Die Überlebenden der Apokalypse heißt der Fortsetzungsroman, den das evangelikale Amerika verschlingt. Seit 1995 wurden elf Bände im Nu verkauft (60 Millionen Exemplare). Der letzte von 2003 heißt Armageddon. Dieser Bestseller ist das Werk des Pastors Tim La Haye, eines der Führer der amerikanischen und zionistischen Rech-ten; seine Ausbildung erfuhr er an der fundamentalistischen Bob Jones Universität.

Die Erzählung beginnt mit dem plötzlichen Verschwinden von rund hundert Passagieren auf einem Flug von Chicago nach Lon-don. Es ist die Schilderung à la Hollywood der Entrückung, der den fundamentalistischen Christen so lieb gewordenen Episode, in deren Augen eine Minderheit von ihnen in den Himmel kommen könne, ohne die Drangsal von sieben Jahren erleiden zu müssen, die vor der Rückkehr Christi angesagt ist.

Der biblische Bericht der Apokalypse sagt „eine tausendjährige Gefangenschaft Satans voraus, der eine tausend Jahre dauernde Herrschaft Christi folgt“ (Kap. 20). Dieses neue Erscheinen des Messias – das Millennium – lässt die protestantischen „vormillennaristischen“ Kreise nicht los. Für sie ist die Rückkehr Christi allen Menschen zugesagt, an erster Stelle dem von Gott seit Abraham und Mose erwählten Volk. Bei seinem ersten Kommen vor 2000 Jahren hat das jüdische Volk Christus nicht anerkannt, aber die ihm gegebene Verheißung Gottes ist nicht außer Kraft gesetzt.

Dieses Thema der „Wiedererrichtung Israels“ ist eines der beständigsten in den protestantischen Hochburgen des konservativen Südens. Man spricht nachgerade von einem „christlichen Zionismus“, eine Formulierung, die seit 1992 die Schlagzeilen der berühmten evangelikalen Zeitschrift Christianity Today beherrscht, die in Millionenhöhe verteilt wird. Es ist eine sehr mächtige pro-israelische Lobby. Bevölkerungsmäßig gesehen – 70 Millionen born again (wiedergeborene) Christen, die zum Glauben bekehrt oder wie Georg Bush zu-rückgekehrt sind – sind die zionistischen christlichen Interessengruppen fünf mal zahlreicher als die jüdische Gemeinschaft.

Dieser „christliche Zionismus“ schöpft in gleichem Maße aus den biblischen Berich-ten wie aus den Gründermythen Amerikas. Als sie das England der Stuarts hinter sich ließen waren die Puritaner schon gestillt mit den Berichten der Genesis und der Psalmen. Verfolgt von der Monarchie wie das hebräische Volk von Pharao wanderten sie nach Amerika aus wie in ein „verheißenes Land“. Sie sind das neue erwählte Volk. Ihre Siege über die Indianerstämme würden gleichgesetzt mit denen des Volkes Israel über die Kanaanäer, die Jebusiter, die Philister.

Die Bauleute der Neuen Welt machen so aus der antiken Nation Israel einen Führer und ein Vorbild. Gott hat ihnen den Auftrag anvertraut, die Welt zu erneuern und in ihr das Erscheinen des wiederkommen-den Christus vorzubereiten, hier die berühmte „Stadt auf dem Berg“ zu erbauen, die die Gründerväter inspirierte. In diesem „Neuen Jerusalem“ (Washington) muss die göttliche Ordnung herrschen.

Dieser christliche Zionismus ist demnach der Erbe des amerikanischen Messianismus aber auch, nach der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948, die glorreiche Rückkehr der Theorie von den Perioden des Waltens Gottes des berühmten Predigers Johan Darby (1800-1882). Nach ihm ist die Ge-schichte zwischen Gott und den Menschen geprägt durch aufeinander folgende Zeit-räume des Waltens Gottes (engl. dispensa-tions) deren letzter die „Zeit des Reiches Christi“ sein wird. Die derzeitige Periode – „die Zeit der Kirche“ – bringt den Plan Gottes nicht zur Vollendung und hebt keines-wegs die von Gott Israel gegebene Verheißung auf.

Für die „christlichen Zionisten“ ist also kein Zweifel erlaubt: der Messias wird in Israel wiederkommen, nachdem er das jüdische Volk zusammen geführt hat. In Is-rael wird die in der Apokalypse angekündigte Endschlacht zwischen Gott und den Mächten des Bösen stattfinden, und zwar in der Ebene von Armageddon, die so viele Bücher und Filme inspiriert hat. Der Messias wird nicht eher wiederkommen, bis alle Juden nach Israel heimgekehrt sind. Sie werden sich zum Christentum bekehren oder zugrunde gehen in einem Holocaust in der Schlacht bei Armageddon.

Diese Zusammenführung des amerikani-schen Gründermythos und einer millena-ristischen Lektüre der Prophezeiungen der Bibel bekommt man eine deutliche politische Bedeutung. Seit 1977, als der Likud an die Macht kommt, werden Bande geknüpft zwischen den ultra-orthodoxen Juden (in den USA und in Israel) und den amerikanischen Evangelikalen. Jerry Falwell, Chef der Moralischen (Moral Majority) genießt in Israel höchstes Ansehen.

Um die Wiederkehr Jesu zu beschleunigen, gründen 1980 amerikanische Evangelikale selbst die Internationale christliche Botschaft in Jerusalem. Sie unterstützen die Auswanderung russischer Juden nach Is-rael, finanzieren Kolonien im Gebiet dies-seits des Jordan und in Gaza, betreiben intensive Lobby-Arbeit im Kongress zu Gunsten Israels. Im Jahre 2002 beklagte die Zeitung Haaretz diese „heilige Allianz“ der Evangelikalen und der israelischen Extremisten, die dem Frieden so schade.

1998, anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung des Staates Israel, erklärte der damalige Ministerpräsident Netanjahu in Orlando/Florida vor einer Versammlung von Voices United for Israel, einen Zu-sammenschluss von 200 evangelikalen pro-israelischen Ordanisationen: „Wir haben keine besseren Freunde und Verbündete als die Menschen, die in diesem Saal sitzen.“

Eine beeindruckende Anzahl von evangelikalen Organisationen unterstützt auch heute die Politik von Ariel Sharon, „dieses Mannes des Friedens“, wie ihn George Bush 2002 bezeichnet hat. Wir erwähnen nur Restoration Foundation (Stiftung Wiederaufbau), Christian Friends for Israeli Communities usf. Anfang des 21. Jahrhun-derts sagten fast 30 Millionen amerikani-sche Protestanten, dass sie überzeugt davon sind, dass die Politik von Ariel Sharon und die Ansprüche auf ein Groß-Israel auf „einer göttlichen Legitimität beruhen, die begründet ist in den biblischen Prophezeiungen“.

Natürlich sprechen die Evangelikalen nicht mit einer Stimme. Sie sehen nicht hinweg über die Leiden der arabischen Christen. Aber wenn sich auch eine Persönlichkeit wie Pastor Billy Graham kaum auf dieses Terrain wagt, dann tun es andere Stars der religiösen Rechten für ihn: Jerry Falwell, der nach dem 11. September den Propheten Mohammed als „Terroristen“ bezeichnet hatte; Pat Robertson, für den der Islam „der Antichrist“ ist; Tim La Haye, der im Weißen Haus ein- und ausgeht, oder der Sohn des „alten Billy“, Frank Graham, vor dem George Bush im Januar 2001 den Eid auf die Bibel abgelegt hat und der im Falle einer Wiederwahl am 2. November noch einmal dabei sein wird.

Autor: Henri Tincq in Le Monde am 20. Oktober 2004.
Übertragung: Josef Martin © imprimatur März 2005 EditRegion5
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2004/imp040810.html

für Deutschland, wo diese Erscheinung weniger bekannt ist, siehe auch:

Endzeitfieber und Pulverfass. – Israel und der christliche Fundamentalismus in Deutschland. – Martin Kloke – Was sind das für Leute, die zu Tausenden ihre Solidarität mit Israel bekunden, israelische Fahnen schwingend durch die Straßen ziehen und lauthals »Gott segne Israel« ausrufen? Was meinen deutsche Christen aus dem evangelikalen Spektrum, wenn sie davon reden, sie wollten »über Gottes Heilsplan mit seinem auserwählten Volk« aufklären? Was steckt dahinter, wenn fundamentalistische Organisationen Spenden für allerlei Projekte in Israel akquirieren – in einer Höhe, die Vertreter/innen des etablierten Kirchenbetriebs das Staunen (oder je nach Lesart: das Fürchten) lehren?

Gott segne Israel – Christlich Zionisten in Deutschland zwischen Israel-Solidarität und Endzeitfieber – Martin Kloke
PDF

Written by einedeutscheweise

15. Oktober 2010 um 04:41

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Film zum Thema, JESUS CAMP

    Hier LEGAL und in der LANGFASSUNG zu sehen

    http://www.realeyz.tv/de/heidi-ewing-rachel-grady-jesus-camp_cont3770.html

    groove68

    18. Oktober 2010 at 19:11

    • danke für den Link. Das ist für uns nicht so bekannt und ich kenne diese „Evangelikalen“ aus dem Internet nur – amerikanisch.. Sie haben ja sehr viele Anhänger, die aber meist wenig gebildet sind oder halt Verzweifelte. Wirklich schlimm die so in die Irre zu führen.
      In Amerika gibt es aber auch einzelne, wenige Prediger , die ganz interessant sind; – da hat einer so einen ganzen Vortrag nur über das Geldsystem gehalten, wie die Banken durch „fractionales banking“ (d.h. leihen, Schulden) das Geld machen und das war nicht schlecht, wenn man bedenkt, daß nicht einmal Studenten Bescheid wissen (nur dort?). Die Amerikaner sind da sehr naiv mit ihren Kreditkarten und sehr verschuldet. Das ist sogar unchristlich dieser Wucher und die Zinsknechtschft. Leider kann man so einen Vortrag hier nicht verwenden, da er auf englisch ist. Es gibt aber „Fabian, der Goldschmied“. oder ähnlich.
      Gruß
      otto netzband

      einedeutscheweise

      20. Oktober 2010 at 00:34


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: