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Versailles-Schuldparagraph

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Heute nach dem 2.Weltkrieg und der Umdeutung der Geschichte wissen die meisten Deutschen kaum noch wie die wirklichen Verhältnisse in der Weimarer Republik waren, was ihre Eltern und Großeltern erlebten. Es waren die Folgen des Ersten Weltkrieges, die alles überschatteten und besonders die so empfundene Ungerechtigkeit des Versailler Diktats. Hatte man nicht Opfer über Opfer gebracht das Vaterland zu verteidigen und, wenn man das Gleiche Franzosen und anderen Gegnern aus deren Sicht zugestehen wollte, war man aber danach als schuldig erklärt und ungleich behandelt worden…?

Deutschland hatte im Vertrauen auf die 14 Punkte des Friedensangebotes des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson die Waffen niedergelegt. Dann aber wurde die britische Hungerblockade fortgesetzt, wodurch weitere tausende von Kindern, Frauen und Männer verhungerten, und die Alliierten drohten in das entwaffnete Deutschland einzumarschieren, wenn der Vertrag nicht unterschrieben würde. Die deutsche Delegation wurde in Versailles hinter Stacheldraht gehalten und durfte bei den Verhandlungen nicht mitreden, nur schriftliche Stellungnahmen abgeben.

Das Schlimmste gegen das Empfinden von Gerechtigkeit war der Schuldparagraph des Vertrages und die noch schlimmere Mantelnote.

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Zitat der 14 Punkte Wilsons:

Am 8. Januar 1918 hat der Präsident Wilson in einer Botschaft an den amerikanischen Kongress die Aufstellung eines ausführlichen Programms des Weltfriedens in 14 Punkten gegeben. In Kürze zusammengefasst sollte erzielt werden:

1. Abschaffung der Geheimdiplomatie,
2. Freiheit der Meere,
3. Wirtschafts- und Handelsfreiheit,
4. Abrüstung bzw. Verminderung der Rüstungen,
5. Unparteiische Schlichtung der kolonialen Ansprüche,
6. Räumung der besetzten russischen Gebiete,
7. Räumung und Wiederherstellung Belgiens,
8. Räumung und Wiederherstellung des besetzten französischen Gebiets
und Wiedergutmachung des „Unrechts“ an Elsaß-Lothringen.
9. Berichtigung der italienischen Grenzen nach den klar erkennbaren
Linien der Nationalität,
10. Autonome Entwicklung der Völker Österreich-Ungarns,
11. Räumung und Wiederherstellung von Rumänien, Serbien
und Montenegro,
12. Regelung der Verhältnisse der Türkei,
13. Errichtung eines unabhängig polnischen Staates unter Zusicherung
eines freien und sicheren Zugangs zum Meere,
14. Schaffung eines Völkerbundes.

Am 5. Oktober 1918 nahm die deutsche Regierung Wilsons Programm als Grundlage für die Friedensverhandlungen an, indem sie an den Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Note sandte, in der sie ihn ersuchte, die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen und den sofortigen Abschluss eines Waffenstillstandes herbeizuführen.
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Die Alliierten erklärten bereit zu sein auf Grundlage dieser 14 Punkte über den Friedensvertrag zu verhandeln, der nur noch die Einzelheiten regeln sollte. (mit zwei Ausnahmen: „die Freiheit der Meere“ und von Deutschland zu verlangender Schadensersatz für Schäden die die Zivilbevölkerung erlitten hatte).
Waren die Grundbedingungen des künftigen Friedens auch nicht in der gewöhnlichen Form eines völkerrechtlichen Vertrags vereinbart, so stellte die Note Lansings vom 5. November 1918 doch eine rechtgültige Willensbildung der Alliierten dar.
Die aufgrund der Note abgesandte deutsche Waffenstillstandskommission mußte am 11.11.1918 auf Weisung der Obersten Heeresleitung die Waffenstillstandsbedingungen im Wald von Compiegne/ Frankreich unterzeichnen.
Am Tage der Unterzeichnung des Waffenstillstandes hielt der amerikanische Präsident an die beiden in gemeinsamer Sitzung versammelten Häuser des Kongresses eine Ansprache, die in den Sätzen gipfelte:

„Die großen Nationen, die sich verbündet haben, haben sich jetzt endgültig zu dem gemeinsamen Ziel vereinigt, einen Frieden aufzurichten, der die Sehnsucht der ganzen Welt nach uneigennütziger Gerechtigkeit befriedigen wird, die auf etwas viel Besserem, Dauerhafteren beruhen wird, als auf den selbstsüchtigen konkurrierenden Interessen mächtiger Staaten.“

In Versailles wurde eine Urkunde niedergeschrieben, die in ihrem Geist die 14 Punkte vollkommen, in ihrem Buchstaben zum Teil aufgegeben hat. Das Selbstbestimmungs-recht wurde, soweit deutsche Volksgenossen und deutsche Gebietsteile in Frage standen, gröblichst missachtet. An der deutschen Ostgrenze, in den deutschen Kolonien, erfolgte in der Tat, was die Kongreßrede vom 11. Februar 1918 untersagte: „Ein Verschachern von Völkern und Ländern, als ob sie bloße Ware oder Steine in einem Spiele wären.“

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vor der Unterzeichnung:
25. 1. 1919 Errichtung einer »Kommission für die Feststellung der Verantwortlichkeit der Urheber des Krieges und der aufzuerlegenden Strafen«. Vorsitzender Lansing, der Vertreter Wilsons, der gemäßigtere englische Premier Lloyd George und der erbitterte Ministerpräsident Frankreichs, Clemenceau, Präsident der ganzen Konferenz, sind sich einig, daß Deutschland als der Alleinschuldige für den Weltkrieg vor der Geschichte dargestellt werden soll.
13. 5. 1919. Note Brockdorff-Rantzaus: »In dem den deutschen Delegierten vorgelegten Entwurf eines Friedensvertrages wird der VIII. Teil betreffend die Wiedergutmachung mit dem Artikel 231 eingeleitet, welcher lautet: (folgt der Text des Art. 231). Deutschland hat die Verpflichtung zur Wiedergutmachung übernommen aufgrund der Note des Staatssekretärs Lansing vom 5. November 1918, unabhängig von der Frage der Schuld am Kriege… Auch die Auffassung der alliierten und assoziierten Regierungen darüber, wer als Urheber des Krieges zu beschuldigen ist, wird von den deutschen Delegierten nicht geteilt. Sie vermögen der früheren deutschen Regierung nicht die alleinige oder hauptsächliche Schuld an diesem Kriege zuzusprechen. In dem vorgelegten Entwurf eines Friedensvertrages findet sich nichts, was jene Auffassung tatsächlich begründet, keinerlei Beweise werden für sie beigebracht. Die deutschen Delegierten bitten daher um Mitteilung des Berichtes der von den alliierten und assoziierten Regierungen eingesetzten Kommission zur Prüfung der Verantwortlichkeit der Urheber des Krieges.«

20. 5. 1919. In der Antwortnote Clemenceaus wurde dies abgelehnt.

Dann erfolgte eine ausführlichere deutsche Stellungnahme und die alliierte Antwortnote. (im Detail in dem Artikel von Prof.Anrich)

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Diese Antwort war begleitet von einer Mantelnote vom selben Tag,
redigiert von dem Mitglied der englischen Delegation Kerr
.

Darin: »(Es) halten die alliierten und assoziierten Mächte für erforderlich, ihre Antwort mit einer scharf umrissenen Darlegung ihres Urteils über den Krieg zu beginnen, ein Urteil, welches tatsächlich und letzten Endes dasjenige der Gesamtheit der zivilisierten Welt ist. Nach der Anschauung der alliierten und assoziierten Mächte ist der Krieg, der am 1. August 1914 zum Ausbruch gekommen ist, das größte Verbrechen gegen die Menschheit und gegen die Freiheit der Völker gewesen, welches eine sich für zivilisiert ausgebende Nation jemals mit Bewußtsein begangen hat. Während langer Jahre haben die Regierenden Deutschlands… getrachtet, sich dazu fähig zu machen, ein unterjochtes Europa zu beherrschen und zu tyrannisieren, so wie sie ein unterjochtes Deutschland beherrschten und tyrannisierten… Indessen beschränkt sich die Verantwortlichkeit Deutschlands nicht auf die Tatsache, den Krieg gewollt und entfesselt zu haben. Deutschland ist in gleicher Weise für die rohe und unmenschliche Art, auf die er geführt worden ist, verantwortlich… Das Verhalten Deutschlands ist in der Geschichte der Menschheit fast beispiellos. Die schreckliche Verantwortlichkeit, die auf ihm lastet, läßt sich in der Tatsache zusammenfassend zum Ausdruck bringen, daß wenigstens 7 Millionen Tote in Europa begraben liegen, während mehr als 20 Millionen Lebender durch ihre Wunden und ihre Leiden von der Tatsache Zeugnis ablegen, daß Deutschland durch den Krieg seine Leidenschaft für die Tyrannei hat befriedigen wollen… Zum Schluß müssen die alliierten und assoziierten Mächte es offen aussprechen, daß dieser Brief und die angeschlossene Denkschrift ihr letztes Wort in der Angelegenheit darstellen.«

Die vorbehaltlose Unterzeichnung wurde ultimativ in fünf Tagen gefordert.

Die harten, unterdrückenden und entehrenden Klauseln des Versailler Vertrages, die ohne deutsche Mitwirkung zustande gekommen waren, erregten in Deutschland tiefe Erbitterung. Trotz Fortdauer der Hungerblockade stießen sie in weiten Kreisen auf Ablehnung. Die Reichsregierung unter ihrem Reichskanzler Philipp Scheidemann erklärte sie für unannehmbar und trat deswegen zurück. (Er hatte am 8.5.1919 vor dem Reichstag den Versailler Vertrag als „Dokument des Hasses und der Verblendung“ bezeichnet.) Sie überließ die Entscheidung der Nationalversammlung, die am 22.6.1919 mit 237 gegen 138 bei 6 Enthaltungen sich mit der Unterzeichnung des Versailler Diktats einverstanden erklärte. Gegen die Unterzeichnung stimmten die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei sowie der überwiegende Teil der Deutschen Demokratischen Partei.

Nach dem Rücktritt Scheidemanns, Brockdorff-Rantzaus und anderer Minister nahm die neue Regierung aus Zentrum und Sozialdemokraten schließlich am 23. Juni den Vertrag an, sträubte sich jedoch noch gegen die anzuerkennende Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg. Daraufhin drohten die Siegermächte dem wehrlosen deutschen Staat in einem Ultimatum mit Gewaltmaßnahmen.

Darauf blieb nach ernster Prüfung der Möglichkeit der Ablehnung unter dem Druck der bereits am Rhein stehenden riesigen feindlichen Armeen und insbesondere unter dem Druck der Fortsetzung der Hungerblockade mit der Folge des Todes von noch Zehntausenden von Kindern, entgegen dem Willen aller Parteien von links bis rechts, Deutschland nichts übrig, als dieses Diktat unter Protest zu unterschreiben.

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Der Schuldparagraph 231 des darauf folgenden „Vertrages von Versailles“:
Alleinschuld:

»Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber aller Verluste und aller Schäden verantwortlich sind, welche die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.«

Sofort 1919 hat das deutsche Volk – Regierung wie Bevölkerung – diesen Paragraphen als die Zuweisung der Alleinschuld am Kriege im Sinne einer seit längerem bewußten Herbeiführung eines solchen Krieges zur Errichtung der deutschen Hegemonie empfunden, damit als historische Unwahrheit und also Lüge, und damit als moralische Diffamierung und Angriff auf die Ehre, dazu noch gesteigert durch die Zumutung (»und Deutschland erkennt an«), dies selbst bekennen zu sollen – und zu müssen. Zu müssen, da durch den Waffenstillstand und den Rückzug aus allen besetzten Gebieten im Vertrauen auf die 14 Punkte Wilsons sowohl der Waffenkraft wie der Aushungerungskraft der dies verlangenden Feinde kein Widerstandsmittel mehr gegenüberstand. (Prof.Anrich)

Dazu wollte man – wie dies dann nach dem Zweiten Weltkrieg mit aller Konsequenz bewerkstelligt wurde – die führenden Köpfe der Reichsregierung sowie den am 28.11.1918 abgedankten deutschen Kaiser Wilhelm II. als ‚Kriegsverbrecher‘ vor ein internationales Tribunal stellen. Zu diesem Zweck übergaben die Westmächte im Februar 1920 eine im Versailler Vertrag vorgesehene Liste ‚deutscher Kriegsverbrecher‘, die 895 Persönlichkeiten – von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg bis zu Kronprinz Rupprecht von Bayern sowie weitere Militärs und Politiker – umfaßte, und forderten deren Auslieferung. Diesem bisher einmaligen Begehren stellte sich jedoch das Deutsche Reichsgericht in Leipzig entgegen und ließ eine Deportation an die Siegermächte nicht zu. Auch die holländische Königin Wilhelmine verweigerte standhaft die Auslieferung des in die Niederlande exilierten deutschen Kaisers, so daß es nicht zu einem Schauprozeß internationalen Ausmaßes kam. Letzterer konnte dann erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945/46 in Nürnberg über die Bühne gehen, nachdem man fast aller führenden und verantwortlichen Personen des Dritten Reiches habhaft geworden war. (Wolfgang Popp)

Außerdem wurde hier ein altes Prinzip verletzt, daß ein Friedensschluß zu wirklich annehmbaren Bedingungen erfolgen sollte und zu einer Versöhnung führen sollte mit Vergebung und einem Ende der moralischen Verdammung, wie sie im Eifer und Zorn der Kriege vorkommen.

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Spätere Stimmen

—13. Februar 1921. Reichsaußenminister Dr. Simons (zugleich Präsident des Reichsgerichts in Leipzig): »Anmelden werde ich immer wieder, daß wir dieses Strafurteil noch nicht als endgültige Entscheidung der Weltgeschichte anerkennen.« Darauf
—3. März 1921 Lloyd George: »Für die Alliierten ist die deutsche Verantwortung für den Krieg grundlegend; sie ist das Fundament, auf dem der Bau von Versailles errichtet wurde. Wenn dies abgelehnt oder aufgegeben wird, ist der Vertrag zerstört… Wir wünschen einfürallemal ganz klar auszusprechen, daß die deutsche Verantwortlichkeit für den Krieg als cause jug6 behandelt wird. «
—29. August 1924. Erklärung des Reichskanzlers Marx (Zentrum): Deutschland erkennt die Feststellung, Deutschland habe den Weltkrieg durch seinen Angriff entfesselt, nicht an und wird das gelegentlich den Gegnern zur Kenntnis bringen. Darauf förmlicher Protest Englands und Frankreichs gegen eine solche Notifizierung.
29. 6. 1937. Kerr, der Verfasser der Mantelnote vom 16. 6. 1919 und Mitredaktor überhaupt des Kriegsschuldparagraphen, nunmehr Lord Lothian, in einem Öffentlichen Vortrag: »Der Versailler Vertrag gründete sich auf die Theorie von Deutschlands Alleinschuld am Weltkrieg. Ich glaube, niemand, der die Vorgeschichte des Krieges ernsthaft studiert hat, kann diese Ansicht heute aufrechterhalten… Am Ende des Krieges jedoch hatten wir uns eingeredet, daß Deutschland allein an dem Unglück schuld sei. Diese Überzeugung war das Ergebnis von Meinungen, die wir uns aufgrund eines sehr unzureichenden Materials, ergänzt durch die Propaganda der Kriegszeit, gebildet hatten. Das Wesen der Kriegspropaganda aber bestand darin, die Einigkeit und Moral der eigenen Landsleute aufrechtzuerhalten durch den Nachweis, daß wir völlig recht, der Feind aber völlig unrecht habe. Auf diesem Grundsatz war der Versailler Vertrag aufgebaut.« Frage des anhörenden Journalisten der »Times«, Wickham Steed: Der Vortragende habe das Problem gestreift, das irrtümlich als deutsche »Kriegsschuld« bezeichnet worden wäre. Als die Deutschen im Jahre 1919 gegen den Entwurf des Versailler Vertrags protestierten, sei eine sehr geschickte und eindringliche Antwort abgefaßt worden, die den Fall sehr überzeugend dargestellt hätte. Mr. Philip Kerr, der jetzige Lord Lothian, sei der Verfasser gewesen. War sein Urteil damals so falsch, und wenn ja, ist es heute richtig? Die Antwort Lothians: Der Grund dafür, daß er seine Ansicht über die Kriegsschuld seit der in der Antwort der Alliierten von 1919 niedergelegten Anschauung geändert habe, liege darin, daß diese Antwort sich auf die Sachkenntnis stützte, über welche die britische Öffentlichkeit während des Krieges und nach vier Jahren ständiger Propaganda verfügte. Er habe seitdem eine große Anzahl Bücher in englischer Sprache über die Ursprünge des Weltkrieges gelesen, … sie alle betonten die Tatsache, daß die Kenntnisse, die 1919 zur Verfügung standen, weder genau noch vollständig gewesen seien. Er schäme sich nicht im geringsten, seine Ansicht geändert zu haben. –
(aus: Prof. Anrichs Artikel)

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aus:

Die Rechtsgrundlagen der Pariser Friedensverhandlungen
und ihre Verletzung durch den Vertrag von Versailles
von Dr. Wilhelm Marx, Reichskanzler a. D.

(Zehn Jahre nach Versailles)

Friedensverträge sind Völkerrechtsverträge, d. h. sie stehen unter denselben völker-rechtlichen Rechtsregeln wie jeder andere Staatsvertrag, materiell und formell, nach ihrem räumlichen, persönlichen und sachlichen Geltungsbereich, hinsichtlich ihrer Auslegung usw.

Die Pariser Verträge haben es selbst schamhaft vermieden, die bisher übliche „Friedensklausel“ zu gebrauchen. Sie erklären zwar zunächst im Eingang ihrer Präambel als ihr Ziel den Frieden. Am Schluss derselben aber gehen sie, statt positiv von diesem erstrebten Endziel zu sprechen, vom Kriegsende aus und erklären: „Mit dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages nimmt der Kriegszustand ein Ende.“

Auch die in bisherigen Friedensverträgen übliche so genannte „Amnestie- oder Vergessenheitsklausel“ fehlt. Es war im Gegenteil den Verbandsmächten vorbehalten, durch den Mund Clemenceaus am 7. Mai 1919 der deutschen Delegation die Worte ins Gesicht zu schleudern: „Die Stunde der Abrechnung ist gekommen.“ Es war ihnen vorbehalten, von deutschen Kriegsverbrechern zu sprechen und sie zur Aburteilung vor ihren eigenen Richterstuhl ziehen zu wollen.

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Philipp Scheidemann während seiner legendären Rede vor der in der Berliner Universität tagenden Nationalversammlung: „Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns
in solche Fesseln legt? Der Vertrag ist unannehmbar.“

Scheidemann brandmarkt das Versailler Diktat

Philipp Scheidemann, geboren am 26. Juli 1865 in Kassel, war von 1903 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Mitglied der SPD-Fraktion des Reichstages. Am 9. November 1918 rief er im Verlauf der Novemberrevolution vom Balkon des Reichstags die Republik aus, und verhinderte so die Machtübernahme der Kommunisten. Von Februar bis Juni 1919 war er bis zu seinem Rücktritt der erste Ministerpräsident der „Weimarer Koalition“. Von November 1918 bis zum Januar 1919 Mitglied im Rat der Volksbeauftragten, 1918 bis 1920 Mitglied der Nationalversammlung und danach, bis 1933, Mitglied des Reichstags der Weimarer Republik. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er ins Exil. Ohne jemals wieder nach Deutschland zurückkehren zu können, starb er am 29. November 1939 in Kopenhagen.
Wie alle Deutschen war er über die Härte der 440 Paragraphen des Versailler Vertrages entsetzt, die nichts mehr mit den 14 Punkten des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson zu tun hatten, auf deren Grundlage der Waffenstillstand geschlossen worden war. Am 12. Mai 1919 protestiert der SPD-Politiker und Führer der ersten Weimarer Koalitionsregierung leidenschaftlich gegen die barbarischen Friedensbedingungen, die er, da sie unerfüllbar sind, nicht anerkennen kann, und legt in der Konsequenz sein Amt als erster demokratisch gewählter Ministerpräsident der Weimarer Republik nieder:
„Die deutsche Nationalversammlung ist heute zusammengetreten, um am Wendepunkte im Dasein unseres Volkes gemeinsam mit der Reichsregierung Stellung zu nehmen zu dem, was unsere Gegner Friedensbedingungen nennen […]
Heute, wo jeder die erdrosselnde Hand an der Gurgel fühlt, lassen Sie mich ganz ohne taktisches Erwägen reden: was unseren Beratungen zugrunde liegt, ist dies dicke Buch, in dem 100 Absätze beginnen: Deutschland verzichtet, verzichtet, verzichtet! Dieser schauerliche und mörderische Hexenhammer, mit dem einem großen Volke das Bekenntnis der eigenen Unwürdigkeit, die Zustimmung zur erbarmungslosen Zerstückelung abgepresst werden soll, dies Buch darf nicht zum Gesetzbuch der Zukunft werden.
Seit ich die Forderungen in ihrer Gesamtheit kenne, käme es mir wie eine Lästerung vor, das Wilson-Programm, diese Grundlagen des ersten Waffenstillstandsvertrages, mit ihnen auch nur vergleichen zu wollen! Aber eine Bemerkung kann ich nicht unterdrücken: die Welt ist wieder einmal um eine Illusion ärmer geworden. Die Völker haben in dieser an Idealen armen Zeit wieder einmal den Glauben verloren [… ]
Ich frage Sie: wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in solche Fesseln legte? […] Dieser Vertrag ist nach der Auffassung der Reichsregierung unannehmbar […]“

aus: Lauteinann, Geschichten in Quellen Bd. 6, S. 129

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Professor Dr. Ernst Anrich

Kriegsausbruch

… Dabei wird von den Herstellern des Diktats bewußt, von den heutigen Bezweiflern aus nicht mehr vorhandenem Wissen übersehen, daß diese Kriegserklärungen erfolgten, weil die trotz dringendster Warnungen Deutschlands am 29. 7., dann endgültig am 30. 7. 1914 erlassene russische allgemeine Mobilmachung die riesige Heeresmasse Rußlands in Gang setzte, dazu, nach den französisch-russischen Verträgen, die französische Mobilmachung und dadurch weiteren deutschen (und englischen) gerade greifenden deutsch-englischen Friedensbemühungen die Möglichkeit durchschnitten hatte. Denn Deutschland konnte es sich nicht erlauben, sich dem Vollzug des Aufmarsches dieser Massen an beiden Fronten auszusetzen. Es mußte dem Aufmarsch der Riesenzahl nicht nur durch eigene Mobilmachung am 31. 7., sondern durch sofortiges militärisches Handeln zuvorkommen. Befangen in alter diplomatischer Kavalierstradition hatte die damalige deutsche Regierung dies völkerrechtlich nicht für möglich gehalten ohne vorherige amtliche Kriegserklärung und strategisch nicht ohne den zuvorkommenden Einmarsch in Belgien.
Die Präambel des Diktats von Versailles – und weitgehend das historische Wissen von heute – unterschlägt ferner oder hat vergessen, daß die Ursache dieser gesamten Julikrise, und darin und damit dieser allgemeinen russischen Mobilmachung, die Ermordung des Österreichischen Thronfolgers am 28. 6. 1914 auf Österreichischem Staatsgebiet in Serajewo durch die groß-serbische Bewegung mit Beteiligung serbischer staatlicher Amtsstellen und dem Wissen erfolgt war, Rußland als Schutzmacht hinter sich zu haben gegen Serbien bedrohende Reaktionen von Österreich. Sie war erfolgt mit dem Ziel, Österreich, den einzigen deutschen Bundesgenossen, zu zerstören.

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Quellen
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—-Scheidemann brandmarkt das Versailler Diktat
http://www.deutschlanddokumente.de/vvtScheidemann.htm

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—-Das Friedensdiktat von Versailles 1919
„Noch niemals ist ein ernstlicher und dauerhafter Friede auf die Ausplünderung, die Quälerei und den Ruin eines Besiegten, geschweige denn auf den eines besiegten großen Volkes gegründet worden. Und dies und nichts anderes ist der Vertrag von Versailles!“
Francesco Nitti, damaliger Ministerpräsident Italiens 1924 über das Versailler Friedensdiktat von 1919.
Von Wolfgang Popp
http://read-all-about-it.org/archive/1.weltkrieg/friedensdiktat_versailles.html
oder auch hier zu lesen
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— Wie die Sieger die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg festschrieben
Professor Dr. Ernst Anrich
hier ganz zu lesen
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—- Die Rechtsgrundlagen der Pariser Friedensverhandlungen
und ihre Verletzung durch den Vertrag von Versailles
von Dr. Wilhelm Marx, Reichskanzler a. D.
( Zehn Jahre Versailles, I. Band, 373 S.: Der Rechtsanspruch auf Revision / Der Kampf um die Revision / Die wirtschaftlichen folgen des Versailler Vertrages. Herausgegeben 1929 von Dr. Dr. h.c. Heinrich Schnee, Gouverneur z. D., Mitglied des Reichstags, Präsident des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände und Dr. h. c. Hans Draeger, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände; Brückenverlag GmbH Berlin. )
http://www.deutschlanddokumente.de/vvtMarx1929.htm
oder auch hier zu lesen

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Nachtrag: zu erwähnen ist eine neue Serie von Artikeln
Adolf Hitler – »Geboren« in Versailles?
Michael Grandt
Artikel 1 www.kopp-online.com/
Artikel 2
Artikel 3
Artikel 4
Artikel 5
Artikel 6
Artikel 7
(wird wahrscheinlich fortgesetzt)

Written by einedeutscheweise

13. Januar 2011 um 05:00

Eine Antwort

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  1. DIE OBLIVISIONSKLAUSEL

    Versailles — Das Ende von Oblivionsklausel und Humanismus oder

    Das Ende der Oblivionsklausel war gleichzeitig Ende des Humanismus

    PROLOG:

    Ich finde es schon erschreckend, wie wenig Informationen man im deutschsprachigen Weltnetz über die Oblivionsklausel findet. Immerhin handelt es sich hier um eine Klausel, deren Abschaffung die totale Vernichtung des deutschen Reiches und der deutschen Kultur zur Folge hatte.

    CETERUM CENSEO GERMANIA ESSE DELENDAM!:

    So wurde anno 1919 in Versailles und den anderen Orten nicht etwa mit den Verlierern verhandelt, sondern über sie zu Gericht gesessen. Wahrend die Delegationen der Sieger konferierten, harrten die Besiegten unter strenger Isolierung in einer Art Hausarrest der Dinge, die da kommen sollten. Es wurde auch nicht- wie bislang in Fiedensverträgen gute Übung – mit einer sogenannten Oblivionsklausel ein Schlußstrich unter den Krieg gezogen, vielmehr hielt jetzt, aber nicht nur im Gefolge der Vierzehn Punkte Wilsons, ein molarisierendes Denken Einzug in die internationale Politik. Sinnfälliger Ausdruck dessen war der berühmt-berüchtigte Kriegsschuldartikel ( Art. 231 ) des Versailler Vertrages.

    Quelle: http://books.google.de/books?id=tvp_a_5 … el&f=false

    EINE DÜRFTIGE DEFINITION AUS WIKIPEDIA:

    Die Oblivionsklausel (lat. Vergessen) war Element vieler europäischer Friedensverträge in der Neuzeit. Sie besagt, dass nach einem Krieg beide Seiten die gegenseitig begangenen Gräuel vergessen würden. Dies hatte die Absicht, dass aus einem Krieg nicht weitere Kriege folgen würden, solange vorangegangene Kriege Gegenstand der Politik waren.

    Die Oblivionsklausel verdeutlicht das Prinzip des europäischen Gleichgewichts in der Neuzeit. Neben den beiden kriegsführenden Mächten, saßen oftmals auch die europäischen Großmächte am Verhandlungstisch. Ihnen war daran gelegen, dass kein Staat durch einseitige Friedensverträge zu viel Macht erlangen konnte.

    Das Ende der Oblivionsklausel leitete der Versailler Vertrag ein. In diesem wurde erstmals von einer Alleinschuld der Mittelmächte gesprochen.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Oblivionsklausel

    DIE ZEIT MEINT DAZU:

    DIE ZEIT, 11.12.1964 Nr. 50 [http://www.zeit.de/1964/50/1919]

    1919

    Bernd-Jürgen Wendt
    Sieger und Besiegte sind ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden

    Fritz Dickmann: Die Kriegsschuldfrage auf der Friedenkonferenz von Paris 1919; R. Oldenbourg Verlag, München; 101 Seiten, brosch., 7,50 DM. Eine der üblichen „Jubiläumsgaben“ dieses an historischen „Jubiläen“ so. reichen Jahres? Eine neue Stimme in der Diskussion um den deutschen Anteil am Ausbruch des Ersten Weltkrieges? Diese oder ähnliche Fragen, mit denen der Leser das Buch zunächst in die Hand nehmen mag, werden gegenstandslos durch den thematischen und methodischen Ansatz des Autors: Losgelöst von ihrem objektiven Wahrheitsgehalt entwickelt Dickmann mit eingehender Akribie die Genesis der Kriegsschuldanklage von Versailles, ihren Sinn und ihre Wirkungen. Dabei kommt er zu Fragestellungen und Einsichten, die weit über den unmittelbaren Gegenstand der Untersuchung hinaus in unsere Gegenwart, ja sogar Zukunft weisen.

    Denn die „Friedensmacher“ von Paris und ihre juristischen Experten sahen sich zum ersten Male der Aufgabe gegenübergestellt, die sich bereits im neunzehnten Jahrhundert abzeichnende, dann durch das Erlebnis des totalen Krieges radikal verschärfte moralische Verdammung einer Aggression und ihres Urhebers im Rechtsempfinden der Völker in einem Friedensvertrag verbindlich zu fixieren und damit möglicherweise sogar einen Weg für eine Fortentwicklung des Völkerrechts im Sinne einer allgemeinen Ächtung des Krieges zu weisen.

    „Well, we are making international law!“ warf Lloyd George dem im rechtspositivistischen Grundsatz des „nulla poena sine lege“ gegründeten Widerstand der Amerikaner gegen rückwirkende Strafbestimmungen entgegen. Ihm sekundierte von einem Podest sittlicher Unfehlbarkeit der französische Finanzminister Klotz: „Wir wollen unsere Ansprüche nicht auf das Völkerrecht gründen, auf das sich die amerikanische Delegation beruft, denn dieses Recht besteht nur allzuoft aus Präzedenzien von Gewalttat und Macht, sondern auf das common law der Kulturvölker.“-

    Engländer und Franzosen waren sich also voll bewußt, mit der Einführung der Kriegsschuldthese in der Präambel des Vertrages und die Artikel 227 (Kriegsverbrecherartikel) und 231 — sei es, wie zunächst vor allem beabsichtigt, als Rechtsgrundlage für Wiedergutmachungsforderungen, sei es in der späteren Umprägung als moralische Anklage — grundsätzlich mit dem im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten Jus Publicum Europaeum gebrochen zu haben, das Krieg jeder Art zum legitimen Mittel einer souveränen Politik erklärt hatte und dementsprechend auch die „Oblivionsklausel“ als „friedewirkendes Vergessen“ (H. Rogge) kannte.

    Wurden die Staatsmänner diesem gewaltigen, in die Zukunft weisenden Anspruch gerecht, das überlieferte Völkerrecht durch eine neue Rechtsund Friedensordnung zu ersetzen? Man wird es mit Dickmann verneinen müssen. Mächtig war der Einfluß der „kochenden Volksseele“ auf die Verhandlungen in Paris -(„Hang the_ Kaiser, let; the Germans payi“), tief die Verstrickung der europäischen Politiker in das traditionelle machtpolitische Denken, so daß endlich auch Wilson und sein begabter junger Rechtsberater, John Foster Dulles, kapitulierten und ihre Hand zur Abfassung der „Schmachparagraphen“ reichten.- Freilich stellt Dickmann mit Recht auch die Frage, ob das energische, die alliierte Haltung aber doch versteifende Auftreten Brockdorff- Rantzaus in Versailles, die bewundernswerte Detailarbeit der deutschen Verhandlungskommission und die leidenschaftlichen Debatten auf der innerpolitischen Bühne eine hinreichende Vorbereitung waren auf das, was Deutschland in Versailles erwartete; ob man nicht dem Pathos der moralischen Diffamierung, dem leichtfertigen Verzicht auf eine lückenlose Beweiserhebung, dem alle Rechtsprinzipien verhöhnenden Versuch, Recht mit rückwirkender Kraft zu schaffen, als Waffe des Unterlegenen den Willen zur rückhaltlosen und ehrlichen Selbstanalyse hätte entgegensetzen sollen, dokumentiert etwa in der frühzeitigen Errichtung eines Staatsgerichtshofes oder parlamentarischen Untersuchungsausschusses oder in einer sofort einsetzenden umfangreichen Aktenedition.

    Dickmann warnt freilich davor, sich die Rolle eines Anklägers anzumaßen gegenüber einer Zeit, die für die Schaffung neuer völkerrechtlicher Normen noch nicht reif war, und einem Klima, das vorwiegend Haß, Rachsucht und machtpolitisches Kalkül prägten. Man wird sich dieser Warnung um so eher anschließen, wenn man sich, angeregt durch seine wohlfundierte und auch für den Nichtfachmann übersichtlich angelegte Darstellung, die Frage vorlegt, wie weit wir die bereits 1914 bis 1918 durch die Brutalisierung des Krieges aufgeworfene Forderung nach einer wirksamen und allgemein bindenden Ächtung jeder Aggression heute unter dem Eindruck einer zweiten Katastrophe und unter der Drohung einer atomaren Vernichtung der Menschheit haben realisieren können. Bernd-Jürgen Wendt

    DIE ZEIT, 11.12.1964 Nr. 50

    Quelle: http://images.zeit.de/text/1964/50/1919

    Versailler Diktat 12: Das “Fontainebleau Memorandum” von Lloyd George
    30.08.2009

    Gewarnt vom südafrikanischen Premier Jan Smuts, einem sehr vernünftigen Mann, daß der sich abzeichnende Vertrag innerhalb einer Generation zum nächsten Krieg führen könne, zog sich der britische Premier, Lloyd George, für ein Wochenende, die “härtesten 48 Stunden” hat er das später genannt, mit Beratern nach Fontainebleau zurück. Das Ergebnis war das sogenannte “Fontainebleau Memorandum”, das auf den 25. März, 1919 datiert ist. Es wurde an die anderen Konferenzteilnehmer geschickt. Darin heißt es:

    “…Die Aufrechterhaltung des Friedens wird davon abhängen, dass keine Ursachen zur Verzweiflung vorhanden sind, die dauernd den Geist des Patriotismus, der Gerechtigkeit oder des „fair play” aufstacheln. Unsere Bedingungen dürfen hart, sogar grausam und selbst erbarmungslos sein, um Genugtuung zu erlangen, aber gleichzeitig können sie so gerecht sein, dass das Land, dem sie auferlegt werden, in seinem Herzen fühlen wird, dass es kein Recht zur Klage hat. Aber Ungerechtigkeit und Anmaßung, ausgespielt in der Stunde des Triumphes, werden nie vergessen und vergeben werden.

    Aus diesen Gründen bin ich auf das schärfste dagegen, mehr Deutsche, als unerlässlich nötig ist, der deutschen Herrschaft zu entziehen, um sie einer anderen Nation zu unterstellen. Ich kann mir keine stärkere Ursache für einen künftigen Krieg vorstellen, als dass das deutsche Volk, das sich zweifellos als eine der kraftvollsten und mächtigsten Rassen der Welt erwiesen hat, rings von einer Anzahl kleiner Staaten umgeben werden soll, von denen viele aus Völkern bestehen, die noch nie vorher eine stabile Regierung aufgestellt haben, aber jeder breite Massen von Deutschen einschließt, die die Vereinigung mit ihrem Heimatland fordern. Der Vorschlag der polnischen Kommission, 2.100.000 Deutsche der Aufsicht eines Volkes von anderer Religion zu unterstellen, das noch niemals im Laufe seiner Geschichte die Fähigkeit zu stabiler Selbstregierung bewiesen hat, muss meiner Beurteilung nach früher oder später zu einem neuen Krieg in Osteuropa führen …“

    Im Original:

    The proposal of the Polish Commission that we should place 2,100,000 Germans under the control of a people which is of a different religion and which has never proved its capacity for stable self-government throughout its history must, in my judgement, lead sooner of later to a new war in the East of Europe.

    Da derzeit auch überall Artikel zum Beginn des Zweiten Weltkrieges erscheinen, hier steht einer der Gründe, vom britischen Regierungschef 20 Jahre vorher prophezeit. Auch Hitler hätte es ohne Versailles nie gegeben! Eine vollständige Übersetzung des höchst interessanten Memorandums habe ich nicht gefunden, überhaupt ist im deutschen Internet wenig davon zu lesen, der englische Originaltext ist hier! Und da sind die bisher erschienen Beiträge der Versailles-Serie!

    Quelle: http://fact-fiction.net/?p=2811#more-2811

    DER DOLCHSTOß VON 1918

    Der »Dolchstoß« – Legende oder Wirklichkeit?

    Der Mainstreamhistoriker Guido Knopp schreibt: »Die deutsche Offizierskaste [klammerte] sich an die ›Dolchstoßlegende‹: Das tapfere deutsche Heer sei im Felde ungeschlagen geblieben, an der Heimatfront aber hätten Sozialisten und Pazifisten den Wehrwillen des Volkes untergraben – diese absurde Fabel hatte General Erich Ludendorff in die Welt gesetzt. Er stand 1918 mit Hindenburg gemeinsam an der Spitze der Obersten Heeresleitung und hatte selbst für Friedensverhandlungen plädiert (…) Doch Ludendorffs Lüge wurde begierig aufgegriffen. Nicht zuletzt die konservativen Eliten des Kaiserreichs glaubten, so den Untergang des wilhelminischen Deutschlands erklären zu können. Den Militärs half die Verleugnung der historischen Fakten bei der Bewältigung eines schmerzhaften Prozesses, denn die Niederlage 1918 hatte für unzählige ehemalige Offiziere einen gesellschaftlichen Abstieg mit sich gebracht.« (1)

    Hat Guido Knopp in diesem Fall recht? Handelte sich wirklich um eine »absurde Fabel«, eine »Lüge« und um eine »Verleugnung der historischen Fakten?«

    Wie der Historiker Wolfram Pyta beschreibt, besagt die sogenannte »Dolchstoßlegende«, dass der Ausbruch der Revolution im Innern Deutschland so wehrlos gemacht habe, dass das im Feld unbesiegte Heer nicht mehr für einen erträglichen Frieden habe weiterkämpfen können. (2)

    Auch Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Chef der Obersten Heeresleitung (OHL) äußerte sich dahin gehend, dass gegen Ende des Krieges »die heimliche, planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer als Fortsetzung ähnlicher Erscheinungen im Frieden ein[setzte] (…) So musste unsere Operation misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen, die Revolution bildete nur den Schlussstein.« (3)

    Wie ich bereits erläutert habe, rechneten die Führer der Obersten Heeresleitung (OHL), Hindenburg und Ludendorff, noch Mitte August 1918 damit, in einer strategischen Defensive auf französischem Boden stehen bleiben und dadurch den Feinden ihren Willen aufzwingen zu können. (4) Doch die OHL mahnte, dass das Feldheer sich nur dann auf feindlichem Boden behaupten könne, wenn die Heimatfront intakt bliebe. (5) Am 6. September 1918 sagte Hindenburg in einer Besprechung mit den Generalstabschefs der drei westlichen Heeresgruppen, dass man das Jahr in gesicherter Stellung auf feindlichem Boden überstehen müsse. (6)

    Vorrevolutionäre Wende in der Heimat

    Parallel dazu vollzog sich in der Heimat eine vorrevolutionäre Wende: Die Parlamentarisierung der Monarchie, die mit schmerzhaften Einschränkungen der kaiserlichen Machtbefugnisse gegenüber dem Reichstag einherging und bald auch Einfluss auf die Armeeführung an der fernen Front nehmen sollte.

    Am 3. Oktober 1918 wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler des Kaiserreiches ernannt, zwei Tage später die parlamentarische Regierungsreform eingeführt.

    Am 7. November 1918 fand sich Staatssekretär Matthias Erzberger, der zum Leiter der Waffenstillstandskommission ernannt wurde, im Hauptquartier des deutschen Heeres im belgischen Spa ein und machte zugleich sehr energisch von seiner Weisungsbefugnis gegenüber den Militärs Gebrauch, denn das Parlament war für einen Waffenstillstand.

    Es sollte sich aber um einen »Waffenstillstand« und keine »Kapitulation« handeln.

    Max von Baden ordnete an, dass entgegen Hindenburgs Vorschlag nur je ein Vertreter der Armee und der Marine seiner Delegation angehören solle. Dies führte dazu, dass sich Hindenburg zu der Äußerung hinreißen ließ, »dass es wohl das erste Mal in der Weltgeschichte sei, dass nicht Militärs den Waffenstillstand abschließen, sondern Politiker« (7). Mit dem Entschluss des Reichskanzlers waren die Verhandlungen mit den Alliierten tatsächlich Zivilisten überlassen, die bisher nur Innen- und Parteipolitik betrieben hatten.

    Wilsons Bedingungen

    Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson forderte für die Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen zunächst eine schwer hinnehmbare Schwächung der deutschen Kampfkraft. Heer und Marine sollten kampfunfähig gemacht werden und sich somit auf Gedeih und Verderb den Siegermächten ausliefern. (8) Generalfeldmarschall Erich von Hindenburg erließ daraufhin am 24. Oktober 1918 eine Proklamation an das Feldheer, in der es hieß: »Wilsons Antwort kann daher für uns Soldaten nur die Aufforderung sein, den Widerstand mit äußersten Kräften fortzusetzen.« (9)

    Wilson knüpfte darüber hinaus auch als Bedingung, eine Umgestaltung der Herrschaftsstruktur des Deutschen Reiches herbeizuführen, und gab sich nicht mit der bereits erfolgten Parlamentarisierung der Reichsverfassung zufrieden. Im Klartext: Der Kaiser sollte entmachtet werden. (10)

    Beides brachte die Oberste Heeresführung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff gegen die Reichsregierung auf, die sich Wilsons Forderungen nicht grundsätzlich abgeneigt sah. Als es dann aber letztendlich zum Kräftemessen kam (11), verlor Ludendorff sogar seinen Posten. Der alte Krieger hatte ausgedient. Reichskanzler Max von Baden hatte dafür den Anstoß gegeben.

    Hindenburg, der sich opportunistisch fügte, wurde noch dazu benötigt, den Übergang von der absoluten Kaiserherrschaft zur parlamentarischen Monarchie gegenüber dem Heer abzufedern, um einen Aufstand der Soldaten zu verhindern. (12)

    Der Kaiser glaubt noch an das deutsche Volk

    Kaiser Wilhelm II. autorisierte noch am Abend des 27. Oktober 1918 die beiden Generäle Max von Gallwitz, der die 5. Armee befehligte, und Bruno von Mudra, der die 17. Armee kommandierte, dem Kabinett einen Aufruf zu überbringen, der das deutsche Volk zu einer nationalen Kraftanstrengung aufforderte, um die Verhandlungsposition bei den Waffenstillstandsgesprächen zu verbessern, ein eindrucksvolles Signal gegenüber den Feinden zu setzen und um dem Heer gegebenenfalls ein Weiterkämpfen bis 1919 zu ermöglichen. (13)

    Doch die Regierung verhielt sich sehr reserviert gegenüber diesem Vorschlag, der nur dann einen Sinn ergab, wenn die Verhandlungen mit Wilson komplett abgebrochen werden würden. (14) Anstatt auf den Aufruf einzugehen, forderte der Abgesandte des Kabinetts, der preußische Innenminister Bill Drews, am 1. November 1918 den Kaiser sogar dazu auf, freiwillig abzudanken. (15)

    Hindenburg warnte vor diesem Schritt: »Zwingt man den Kaiser zur Abdankung, so wird das Heer führerlos, und mit seiner Widerstandskraft an der Front ist es zu Ende. Eine Sicherung für die Ordnung im Innern ist dann aber auch nicht mehr vorhanden.« (16)

    Hindenburgs Worte waren nicht nur so dahergesagt. Am 8. November nahm die Revolution in Deutschland größere Ausmaße an und marschierte bereits in Bayern, Braunschweig und Mecklenburg-Schwerin.

    Die »getrickste« Abdankung

    Das Drängen und die telefonischen Abdankungsforderungen der Reichsregierung nahmen am 9. November massiv zu. Kaiser Wilhelm II. wusste, dass ihm über kurz oder lang keine andere Wahl blieb, denn mit dem Zugeständnis an eine parlamentarische Monarchie hatte er seine Machtbefugnisse weitgehend in die Hände der Parlamentarier gegeben.

    Doch ganz kampflos wollte der Kaiser nicht aufgeben. Schließlich rang er sich zu dem Entschluss durch, zwar als Kaiser abzudanken, nicht aber als König von Preußen. Damit würde er seine Stellung als Oberster Kriegsherr behalten und weiterhin über die militärische Kommandogewalt verfügen. Dies hätte ihm weiterhin die Möglichkeit offen gehalten, in die Revolutionswirren militärisch einzugreifen, das heißt eine Konterrevolution zu entfachen und anzuführen. In seiner schriftlichen Abdankungserklärung formulierte er dann auch eindeutig, dass er den Oberbefehl über die preußischen Armeen behalten werde und zudem nicht aber als preußischer König abdanke. (17)

    Das, was nun folgte, war für viele wiederum ein Beweis, dass die »Demokraten« das Deutsche Reich ins Chaos stürzten und verhinderten, dass der Kaiser noch eingreifen konnte.

    Reichskanzler Max von Baden hatte vor der Erklärung Wilhelm II. bereits durch alle Nachrichtenbüros – ohne Autorisierung – verbreiten lassen, dass dieser als Kaiser und König abgedankt hätte. (18) Dieser infame Schlag zog dem Monarchen den Boden unter den Füßen weg, denn an eine Gegenrevolution war nun nicht mehr zu denken. Es war ein beispielsloser Affront gegen den Kaiser und für viele Militärs ein Verrat an der Armee und ihren Soldaten, die sich vier Jahre lang an der Front für die Heimat aufgeopfert hatten.

    Max von Baden gab in seinen Erinnerungen später selbst zu: »Ich wusste, dass ich formell nicht berechtigt war, ohne Einverständniserklärung des Kaisers die Veröffentlichung vorzunehmen.« (19) Dennoch glaubte er, richtig gehandelt zu haben.

    Das Ende des Kaisertums

    Das Ende des preußischen Königtums und des deutschen Kaisertums war der Beginn des revolutionären Chaos, das bei der durch Kurt Eisner proklamierten Ausrufung des republikanischen Freistaates Bayern einen Tag zuvor und im Spartakusaufstand einige Wochen später nur zwei vorläufige Höhepunkte erreichte.

    Noch am Tag der unfreiwilligen Abdankung des Kaisers rief Philipp Scheidemann (SPD) die Deutsche Republik aus. (20) Friedrich Ebert (SPD) übernahm die Regierungsverantwortung von Reichskanzler Max von Baden.

    Wilhelm II. wurde gedrängt, in die Niederlande ins Exil zu gehen. Zuvor übergab er den Oberbefehl über das deutsche Heer Paul von Hindenburg, ohne zu ahnen, dass dieser eine der treibenden Kräfte für seinen Gang nach Holland gewesen war. (21) Hindenburg gab unverzüglich einen Befehl an das gesamte Feldheer, mit der sozialdemokratischen Regierung zu kooperieren und untersagte, von der Schusswaffe »gegen Angehörige des eigenen Volkes« Gebrauch zu machen (22). Damit wollte er verhindern, dass die in die Heimat kommenden Soldaten sich an den revolutionären Handlungen beteiligten, die inzwischen immer mehr um sich griffen. Hindenburg hoffte, damit einen Bürgerkrieg verhindern zu können. Hindenburgs Verhalten erstickte zudem auch jeglichen Versuch eines Militärputsches gegen eine unterzeichnungswillige Regierung im Keim. (23) Ultrakonservative verziehen ihm das nie.

    Fazit

    Die Reichsregierung nahm einen innerdeutschen Bürgerkrieg und einen schmachvollen Friedensvertrag in Kauf, obwohl das Heer keineswegs besiegt war und an verschiedenen Fronten, besonders im Westen und Osten, noch im Feindesland stand.

    Betrachtet man also die Umstände auf den Schlachtfeldern, das revolutionäre Treiben in der Heimat, die Umsturzversuche, das unterzeichnungswillige Kabinett und die getrickste Abdankung des Kaisers, um eine Konterrevolution und ein Durchhalten der Armee zu verhindern, spricht einiges dafür, dass es sich bei der sogenannten »Dolchstoßlegende« nicht um eine reine »Legende« handelt. Das allerdings setzt voraus, dass man die Gesamtumstände von August bis November 1918 und das Handeln der in diesem Zeitraum agierenden verantwortlichen Personen genauer betrachtet, was ich bei vielen Mainstream-Historikern und auch bei Guido Knopp vermisse.

    In der nächsten Folge: Durch Hungertod erpresster Vertrag

    Quelle: http://info.kopp-verlag.de/hintergruend … es-4-.html

    Waffenstudent

    12. Oktober 2012 at 17:21


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