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Werner Maser: Der Wortbruch

with one comment

(anschließend ein Artikel von Walter Post: Die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg – Armee zwischen Regime und totalem Krieg)

Der Wortbruch

Hitler, Stalin und die Legende vom »Überfall«

VON WERNER MASER

(Ein Artikel zu seinem gleichnamigen Buch aus: „Joachim F. Weber (Hrsg.) Armee im Kreuzfeuer, Universitas, gewidmet dem ehrenden Andenken der gefallenen Soldaten Deutschlands)

Im Zusammenhang mit der pauschalen Verurteilung der Wehrmacht als »Mord- und Terrororganisation« wird immer wieder auf deren Beteiligung an Hitlers Ostkrieg als solchem verwiesen. Die Deutschen haben begonnen, also trugen sie alle Schuld an den Zerstörungen und Exzessen des Krieges. Zur Rechtfertigung dieses Geschichtsbildes wird dann ebenso regelmäßig auf die alte stalinistische Propagandathese vom »Überfall« auf eine ahnungslose Sowjetunion Bezug genommen. Wie unhaltbar dieses alte, gleichwohl in der gegenwärtigen Wehrmachtsdebatte erneut erfolgreich instrumentalisierte Geschichtsbild angesichts der neueren Forschungen geworden ist, wird aus dem Beitrag von Prof. Werner Maser deutlich. Er weist nach, daß der Angriff des einen Diktators dem lange geplanten des anderen Gegenspielers nur um Haaresbreite zuvorkam.

Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums mit seiner ideologisch instrumentalisierten Geschichtsdarstellung verhalf der Geschichtsschreibung – vorübergehend – zu Quellen, die zur Neubewertung nicht nur bestimmter Details, sondern ganzer Phasen der Geschichte zwingen.

Falsch ist, was Jahrzehnte hindurch in der gesamten Fachliteratur stand, deren Autoren nämlich behaupteten, daß die Deutschen der Sowjetunion den Hitler-Stalin-Pakt und das Geheimabkommen zum Beispiel über die Aufteilung Polens angeboten und die Sowjets letztlich nur zugestimmt hatten, weil sie Deutschland fürchteten – oder 1939 objektiv gar hatten furchten müssen.

Nachweisbar ist: Pakt und Geheimabkommen wurden von Molotow in Stalins Auftrag formuliert, den Deutschen angeboten und von ihnen nahezu wortwörtlich akzeptiert.

Falsch ist, daß Hitler Stalin vorgeschlagen habe, Polen restlos aufzuteilen. Stalin war es, der Hitler vorschlug, Polen untereinander restlos aufzuteilen und den polnischen Staat auszulöschen.

Falsch ist, daß Stalin die Rote Armee erst 17 Tage nach Kriegsbeginn in Polen eingreifen ließ, weil »die Rote Armee nicht fertig gewesen« sei. Zutreffend ist: Im August hatte Stalin Frankreich und England vorgeschlagen, sofort 136 Divisionen, ein Heer von 2.584.000 Mann mit 10.000 Panzern, für einen gemeinsamen Krieg gegen Deutschland zur Verfügung zu stellen. Stalin wollte im September 1939 lediglich verhindern, daß die Westmächte auch ihm wie Hitler – den Krieg erklärten. Er blieb statt dessen ständig mit den Briten in Kontakt und schloß mit ihnen (bereits am 10. Oktober 1939) einen sowjetisch-britischen Vertrag.

Unbestreitbar ist: Sowohl Deutschland als auch die Sowjetunion bereiteten synchron einen Angriff gegen den Vertragspartner vor. Hitler kam Stalin lediglich zuvor, der Deutschland bereits im Herbst 1938 – während des Münchener Abkommens – und dann nochmals im bzw. nach dem sowjetischen Angriffskrieg gegen Finnland im Frühjahr 1940 mit einem Angriffskrieg überziehen wollte.

Da Stalin, der insgesamt 84mal vor einem deutschen Angriff im Sommer 1941 gewarnt wurde, Hitlers »Weisung Nr. 21: Fall Barbarossa« vom 18. September 1940 für einen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion bereits seit Ende Dezember 1940 – durch Verrat des einstigen Zentrumsabgeordneten und Hitler-Gegners Erwin Respondek – kannte, kann die stalinistisch bestimmte Version vom »verbrecherischen deutschen Überfall« auf die auf einen Krieg nicht vorbereitete friedliche Sowjetunion und vom »Grollen Vaterländischen Krieg« der Sowjetunion nicht nachvollzogen werden.

Daß die Rote Armee sich seit 1938 zudem auf einen Angriffskrieg gegen Deutschland vorbereitet hatte, ist inzwischen lückenlos bewiesen. Im September 1938, zur Zeit des Münchener Abkommens zwischen Deutschland, England und Frankreich, das die Sowjets als »Kulminationspunkt der Forderung der imperialistischen Politik« charakterisierten, machte die UdSSR in der Ukraine und im belorussischen Militärbezirk gegen Deutschland mobil. Doch dabei blieb es auch. Allein wollte Stalin es nicht auf sich nehmen, das von ihm zum gigantischen »Aggressor« stilisierte Deutschland anzugreifen.

Die Erklärung der Sowjets nach 1945, 1938 Deutschland nicht angegriffen zu haben, weil die Tschechoslowakei sich nicht mit der Bitte an Moskau gewandt habe, Deutschland entgegenzutreten, ist allzu durchsichtig. Allerdings ist nicht zu übersehen, daß die Sowjetunion sich nach der Entscheidung Frankreichs, Prag nicht zu unterstützen, in keiner einfachen Lage befand, zumal Polen und Rumänien sich weigerten, der Roten Armee Durchmarschrechte einzuräumen. Doch selbst wenn Rumänien sich anders verhalten hatte, Ware es den Russen infolge des total desolaten und primitiven rumänischen Eisenbahnnetzes kaum möglich gewesen, ihre erste Division in weniger als drei Monaten über Rumänien in die Slowakei zu befördern.

……………..weiter bitte hierhin Werner Maser: Der Wortbruch

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und dort auch anschließend der Artikel von Walter Post: Die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg
Armee zwischen Regime und totalem Krieg
…………………….

siehe auch:
Stalins verhinderter Erstschlag-Suworow,WolfgangStrauss,Milstein
in diesem Block

Written by einedeutscheweise

25. Februar 2012 um 01:21

Veröffentlicht in Geschichte

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Eine Antwort

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  1. Lehrreicher Beitrag. Interessant, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

    Ferhat

    4. März 2012 at 17:26


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