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Wach auf wach auf du deutsches Land!

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Wach auf wach auf du deutsches Land!

Ein Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch EG 145
Der Thüringer Johann Walter (1496-1570), Hofkomponist Friedrichs des Weisen, Gründer der ersten stadtbürgerlichen Kantorei Deutschlands (1525, Torgau) und Mitarbeiter Luthers an der „Deutschen Messe“, schuf in diesem Sinne den auf einem fliegenden Blatt des Jahres 1561 erstmals schriftlich bezeugten nationalen Aufruf „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“.
Text und Musik: Johann Walter 1496 – 1570
in: Die weiße Trommel (1934, nur erste Strophe)

Im Mittelalter war das „Reich der Deutschen“ die Vormacht des Abendlandes. Im 16. Und 17. Jahrhundert entstanden Lieder und Choräle, die sowohl der geistig-geistlichen als auch der politischen Erneuerung, des innerlich geschwächten Deutschlands dienen sollten.

1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen.

2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt
mit seinem Wort der Gnaden,
ein großes Licht dir auch beschert
und hat dich lassen laden
zu seinem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn geladen bist,
will heilen deinen Schaden.

3. Gott hat dir Christum, seinen Sohn,
die Wahrheit und das Leben,
sein liebes Evangelium
aus lauter Gnad gegeben;
denn Christus ist allein der Mann,
der für der Welt Sünd gnug getan,
kein Werk hilft sonst daneben.

4. Für solche Gnad und Güte groß
sollst du Gott billig danken,
nicht laufen aus seim Gnadenschoß,
von seinem Wort nicht wanken,
dich halten, wie sein Wort dich lehrt,
dadurch wird Gottes Reich gemehrt,
geholfen auch den Kranken.

5. Du solltest bringen gute Frucht,
so du recht gläubig wärest,
in Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solchs selbst begehrest,
in Gottes Furcht dich halten fein
und suchen Gottes Ehr allein,
daß du niemand beschwerest.

6. Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht‘,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.

7. Wach auf, Deutschland, ’s ist hohe Zeit,
du wirst sonst übereilet,
die Straf dir auf dem Halse leit,
ob sich’s gleich jetzt verweilet.
Fürwahr, die Axt ist angesetzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein fehlet.

8. Gott warnet täglich für und für,
das zeugen seine Zeichen,
denn Gottes Straf ist vor der Tür;
Deutschland, laß dich erweichen,
tu rechte Buße in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir reichen.

9. Das helfe Gott uns allen gleich,
daß wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
daß wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu‘
und gib uns deinen Geist dazu,
daß wir dein Warnung fassen.
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glaubensstimme.de
Volksliederarchiv
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Kein KultiMulti ! Kein Kommunismus !
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Von
deutscheslied.com

folgende Zitate, danke auch vielmals:

Das deutsche Volkslied, der treuste Spiegel deutschen Seelenlebens, deutscher Bildung und Gesittung, war vor der Zeit der Kunstpoesie die alleinige Poesie und das schönste Gemeingut der Deutschen, war in den Zeiten der Not und Zerrissenheit die reichste Quelle des Trostes und der Hoffnung, und in den Tagen einmütiger Erhebung Deutschlands bewies es seine ermutigende und begeisternde Allgewalt. Es war und ist und bleibt unsere schönster Nationalschatz, unser Hort – das deutsche Lied.
Franz Magnus Böhme (1827-1898)

Es ist wohl das erstemal, daß ich dem, was von mir ausgeht, mit Zärtlichkeit nachsehe. Es ist eine Sammlung deutscher Volkslieder mit Klavier.
Johannes Brahms (1833-1897)

Volkslieder
Sie singen von Lenz und Liebe, von sel’ger, goldner Zeit,
Von Freiheit, Männerwürde, von Treu und Heiligkeit;
Sie singen von allem Süßen, was Menschheitsbrust durchbebt,
Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt.
Ludwig Uhland

Neulich als ich bei einer namhaften amerikanischen fast-food-Kette (…), wiedermal Archivarbeit per laptop machte, kam ein ’song‘ über die Musikanlage der sich um ’suicide‘ (Selbstmord) drehte. Solches und Ähnliches serviert die Popkultur in Liedern, Filmen und Computerspielen rund um die Uhr. Die Folgen sind bekannt aber keine Wende ist voraussehbar denn damit werden Unsummen verdient und die Jugend, und damit unsere Gesellschaft, verdirbt.
Melodie ist bekanntlich seit langem aus den allermeisten Popliedern verschwunden. Nur noch primitiver Rhythmus, der sich nicht im geringsten vom Preßlufthammerlärm unterscheidet, nebst Gejaule und Geschrei in den höchsten Tonlagen. Die Spaßgesellschaft hat heute eindeutig gesiegt. Vorwärts – nicht nur in den musikalischen Abgrund!
Und da sitze ich nun versunken in eine andere Welt inmitten dieses Popmusikmülls in der Hochburg der Wegwerfkultur, umgeben von Übergewichtlern die ihre ‚burgers’ reihenweise verschlingen, und den Abfall auf Tischen und sonstwo liegenlassen.
Im Kopfhörer, der den Audiomüll bestens ausblendet, erklingen zünftige oder klassische Klänge – wobei ich mich immer beherrschen muß nicht laut mitzusingen – und die Augen und das Hirn auf musikalischer Großfahrt in alten Liederbüchern! Schön ist’s. Ich genieße die Ironie vollends!
Hubertus Schendel, Juli 2007, Kanada

Wie zu einem erfrischenden Waldquell kehrt der Deutsche immer wieder gern zum Volkslied zurück und erfreut sich trotz der fortgeschrittenen Weltanschauung an solcher Naturquelle, wenn er das hastige, herzlose Alltagstreiben und die Überkunst einmal gründlich satt hat.
Franz Magnus Böhme in ‚Deutscher Liederhort‘

Viele Volksweisen sind wahre Perlen der Tonkunst. Soll doch Beethoven einmal erklärt haben, er gebe seinen ganzen Komponistenruhm um die Erfindung der Volksweise ‚Innsbruck, ich muß dich lassen‘ (Nun ruhen alle Wälder)! Und wahrlich, auch unsere heutigen Tonmeister könnten manchmal mit Nutzen bei dem Volksliede in die Lehre gehn.
Dr. J.W. Bruinier in ‚Das deutsche Volkslied‘. Leipzig, B.G. Teubner, 1914

„Höre fleißig auf alle Volkslieder; sie sind eine Fundgrube der schönsten Melodien und öffnen dir den Blick in den Charakter der verschiedenen Nationen.“
Robert Schumann

Wort und Ton des Volksliedes singen und sagen von guter, echter deutscher Art, von Freiheit und Kraft, von Wahrheit und Recht, von Liebe und Treue. Das alles scheint verloren. Allein es hieße dies alles auch verloren geben, wollte man nicht die Erinnerung daran als Hoffnung und Ansporn halten und pflegen.
Hubertus Schendel, in ‚Zur Pflege des Volksliedes und Volksgesanges.‘ 1920

Es muß etwas in diesen Liedern stecken, was ihnen Stärke gibt, dem Zahn der Zeit zu trotzen, der so schnell an unseren schönsten Opernarien nagt.
Eiwert, A., Ungedr. Rest alten Gesanges, Gießen, 1784

Hubertus Schendel in Canada hat ein großes Musikarchiv.
Und noch folgende Bilder zu „Wach auf du deutsches Land“ – um den Eindruck zu zerstreuen, in „jener“ Zeit sei nichts Christliches erlaubt gewesen oder nicht gesungen worden; es wurden aber manchmal nicht alle Strophen gedruckt. In folgenden Büchern war das Lied auch (unter vielen anderen vor und nach dem Krieg, siehe die Liste von H. Schendel Liste ):

Mädels
Klingendes Leben, Teil 3 – Singebuch für Mädchen, 1941 A81d Seite 16 TextNoten, Satz, 3 stimmig, 3 Strophen, Tonart:F
…………..
HJHJ
Liederblatt der Hitlerjugend 4. Jahresband 1938 (56-76) G SV85 Seite 5 Geistlich, SoldVaterl, TextNoten
…………..
WehrmachtWehrmacht
heinz tiessen, 1940 Chorliederbuch für die Wehrmacht, 1940 SV150 Seite 110 Geistlich, SoldVaterl, TextNoten, Satz, 4-stimmig

Das Volkslied lebt zu allen Zeiten und in allen Landen, so lange Musik erklingt und Menschen singen. In ihm spiegelt sich der Charakter von Völkern und Volksschichten, der Wechsel von Jahres- und Tageszeiten, der Wandel des Lebens von der Jugend bis ins Alter.
Im Volkslied sind Wort und Weise eng miteinander verbunden. Bei der Weitergabe von Mund zu Mund werden bisweilen Text und Melodie verändert. Manche Lieder erscheinen in den verschiedensten Fassungen, ein Beweis dafür, wie sehr sie dem Volke eigen sind.
Viele deutsche Volkslieder wurden im Laufe der Jahrhunderte aufgezeichnet. Wie die Kultur allgemein, so wandelte sich auch der dichterische und musikalische Ausdruck. Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen dem älteren und jüngeren Volsklied, wie auch zwischen der älteren und jüngeren Malerei.
Aus der Zeit um 1450 stammt die wertvolle Liederhandschrift ‚Das Lochamer Gesangbuch’. In ihm sind so herrliche Weisen zu finden wie ‚All mein Gedanken’ und ‚Ich fahr dahin’. Besonders viele Lieder sind aus dem 16. Jahrhundert überliefert. Es ist die Blütezeit des alten deutschen Volksliedes, die Zeit, in der Hans Sachs lebte (‚Der Maie, der bringt uns Blümlein viel’). Zu den schönsten Liedern gehören ferner ‚Es sungen drei Engel’, ‚Innsbruck, ich muß dich lassen’, ‚Ach Elslein, liebes Elselein’, und ‚Die beste Zeit im Jahr ist mein’.
Der Dreißigjährige Krieg hat viel vernichtet, und die Überlieferungen werden in der Folgezeit spärlicher. Der Liedermund des Volkes ist aber nie verstummt. So konnte der Dichter Johann Gottfried Herder in der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts viele Volkslieder aufzeichnen und der Nachwelt erhalten. Auch andere Dichter, wie Goethe, Uhland und Hoffmann von Fallersleben, haben auf die Schönheit des Volksliedes hingewiesen.
Einige ihrer eigenen Gedichte wurden in Vedbindung mit Melodien so bekannt und beliebt, daß sie wie Volkslieder weiterleben., z.B. ‚Sah ein Knab ein Röslein stehn’, Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch’, und ‚Alle Vögel sind schon da’.

Eine Wiederbelebung namentlich des älteren Volksliedes und des Volkstanzes erfolgte durch die Jugendgewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Jugend zog, die Laute umgehängt, hinaus in die freie Natur und sang und spielte Weisen, die allgemein längst vergessen waren. Man sammelte sie in einem Liederbuch, dem ‚Zupfgeigenhansel’. Volkstänze, wie unsere Großeltern und Urgroßeltern sie tanzten, kamen auf grünem Anger wieder zu Ehren. Viele Komponisten der Gegenwart, z.B. Paul Hindemith, Paul Höffer, Armin Knab, haben den Jugend mit Liedsätzen und Spielmusik nach Volksliedern reiches Musiziergut geschenkt.

Aus dem Liederbuch ‚Singt und spielt’ Velhagen & Klasing, 1966, ohne Autorenangabe

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Written by einedeutscheweise

4. März 2012 at 01:29

Veröffentlicht in Musik, Video, Volkstum

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