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Aufrüstung zum 2.Weltkrieg 1933-39/41

with one comment

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AUFRÜSTUNG ZUM KRIEG ?

— Einleitung

1.) Ausschnitte aus einem englischen Artikel 1948 von Burton Klein- übersetzt
Germany’s Preparation for War: A Re-examination
Deutschlands Kriegsvorbereitungen: eine Revision üblicher Darstellungen
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2.) Genfer Abrüstungskonferenz – Abrüstungsvorschläge
3.) Der Rüstungsstand 1933 in Europa
4.) Vergleich: sowjetische – deutsche Rüstung
5.) THE UNITED STATES STRATEGIC BOMBING SURVEY Summary Report
Strategy and war economy of Germany – übersetzt – Burton Klein war Mitglied
US-Report über die Bombenschäden sagt über die deutsche Strategie und Kriegswirtschaft
6.) Eine Buchbesprechung, übersetzt, die verschiedene Ansichten anglo-amerikanischer Historiker zeigt,
wie sie im und nach dem 2.Weltkrieg waren: Aufrüstung zum Krieg? Kriegswirtschaft? u.a. über Burton Klein
— Teile 2.)-6.) sind auf folgender Seite — (und 1.) auch nochmal)

https://einedeutscheweise2.wordpress.com/2014/02/13/aufrustung-zum-2-weltkrieg-teil2/
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„Der Stand der deutschen Rüstung 1939 liefert den entscheidenden Beweis dafür, daß Hitler nicht an einen allgemeinen Krieg dachte und wahrscheinlich überhaupt keinen Krieg wollte.“
A.J.P.Taylor Ursprünge des zweiten Weltkriegs, Gütersloh 1962

Einleitung

Endlos sind die Vorwürfe gegen die Kriegsgeneration in Deutschland, unsere Eltern und Großeltern, sie seien Hitler und den „Nazis“ gefolgt, die von 1933 an auf erneuten Krieg zusteuerten. Das Militärtibunal in Nürnberg 1945/46 hatte als Hauptanklage „Verschwörung zum Angriffskrieg“ vorgebracht. Seitdem steht das in Schulgeschichtsbüchern und wird in den Medien wiederholt, zunehmend, täglich. Worum geht es? sicher werden die „Nazis“ von den Vorwürfen nicht mehr erreicht, und auch nicht mehr die Kriegsgeneration, aber den heute lebenden Deutschen soll anscheinend beigebracht werden, daß ihre Eltern und Großeltern einem verbrecherischen Regime gefolgt sind und zwar mit Begeisterung und Idealismus, oder daß sie so dumm waren, auf dessen Propaganda hereinzufallen. In „Mein Kampf“ stand ja, daß irgendwann Kriege zu erwarten wären, in denen die Völker um Lebensraum kämpfen würden.

Die Kriegsgeneration hat soviel Leid erfahren müssen durch Bombenteppiche, Feuerstürme und Brand in allen deutschen Städten über 50 000 Einwohnern, sie haben durchgehalten, waren tüchtig und haben tapfer gekämpft, daß es heute unvorstellbar ist. Besonders nach dem Krieg erlitten sie Hunger, Vertreibung, Vergewaltigungen, willkürlichen Massenmord und Deportierungen nach Sibirien. Heute behaupten die Medien, angefangen mit „History“ und Guido Knopp, das kommt davon, weil sie Hitler gefolgt wären: „Die Vertriebenen – Hitlers letzte Opfer“ zum Beispiel. Und außerdem soll einem beigebracht werden, daß die Juden, deren Schicksale hier nicht verharmlost werden sollen, daß sie die einzigen unschuldigen Opfer des Krieges gewesen wären, der 50 Millionen Tote kostete. Wie ist das aber mit den Kindern, den Alten und mit den Zootieren im Dresdener Zoo?

Selbst die Kriegsteilnehmer waren sich vielfach danach nicht nicht mehr so sicher, aber einige haben in Deutschland seit dem Kriegsende immer wieder erforscht und dargestellt, was die Kriegsursachen waren, und daß die nicht alleine auf deutscher Seite lagen. Eine hervorragende und nüchterne Untersuchung ist „1939-Der Krieg Der Viele Väter Hatte“ von Gerd Schultze-Rhonhof, der auch in Vorträgen die Zusammenhänge und Entwicklungen beschreibt, wie es nach dem furchtbaren Ersten Weltkrieg zu dem noch schlimmeren Zweiten kommen konnte.

Hätten sie das damals merken müssen? Nun ist klar, daß bei uns niemand einen Zweiten Krieg wollte, 20 Jahre nach den Ersten. Und Adolf Hitler hat in allen seinen öffentlichen Reden seinen Friedenswillen betont und den sozialen Aufbau nach dem Weimarer Elend. Hätte man merken müssen an der Wiederaufrüstung, wohin das führt?

Daß man ein Heer brauchte, war zu verstehen, nach den Umsturzversuchen von KPD und Spartakus in der Weimarer Zeit, nach der Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen 1923, der des Sudetenlandes durch die Tschechen und der polnischen Angriffe auf Oberschlesien, der Verweigerung des Selbstbestimmungsrechtes für die nunmehr unter fremder Herrschaft lebenden Deutschen, wie in Pommern, – und einer demgegenüber ohnmächtigen, abgerüsteten Reichswehr von 100 000 Mann. Eigentlich sprangen damals Freikorps in die Bresche.

Damals seit 1932 gab es die Abrüstungskonferenzen in Genf, und auch Hitler hatte 33 Verzicht auf eine große Wiederbewaffnung vorgeschlagen, nach den Artikeln des Versailler Diktats, wenn die anderen Mächte abrüsten würden oder zumindest Angriffswaffen, Panzer und Bomber. Dies wird heute häufig unterschlagen.

Einige deutsche Historiker haben also nach dem Krieg der alleinigen deutschen Kriegsschuld widersprochen und damit auch, daß es eine Aufrüstung gegeben hätte nach einem Kriegsplan. Wie war nun die Einschätzung ausländischer Historiker? Zum Beispiel wurde David L. Hoggan: „Der erzwungene Krieg. Die Ursachen und Urheber des 2. Weltkriegs. 1. Aufl., Tübingen 1961“, vom Spiegel (20/1964) in einer hysterischen Weise angegriffen, daß man doch Zweifel an der objektiven Kriegsschuld bekommen muß: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46173484.html – sie werden aber in diesen Zeiten häufig politisch verleumdet, als hätte ein Historiker in erster Linie politische Ziele zu haben und nicht Forschung zu machen.

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1.)—Ausschnitte aus einem englischen Artikel 1948 von Burton Klein
Germany’s Preparation for War: A Re-examination – übersetzt
Deutschlands Kriegsvorbereitungen: eine Revision üblicher Darstellungen—

von Burton Klein

(The American Economic Review, Vol. 38, No. 1 (Mar., 1948), pp. 56-77) . (Über B.Klein und die Adresse des engl. Artikels – siehe unten am Ende des Artikels)
(Klein verwendet den Ausdruck Nazis, wie er in der alliierten Propaganda gebraucht wurde)

Als Deutschland in September 39 gegen Polen marschierte, wurde seine militärische Stärke nicht bezweifelt. Es wurde allgemein geglaubt, daß die Nazi-Regierung in den sechs Jahren alle Ressourcen des Landes auf die Vorbereitung des Krieges konzentriert hatte., daß 1.) in der Zeit vor 39 Deutschland eine Militärmaschine aufgebaut hatte von enormer Stärke, daß 2.) praktisch alle Zuwächse der Produktion vom niedrigen Stand der Depression aus in die Konstuktion eines riesigen Kriegspotentials gesteckt wurden und daß 3.) alle wirtschaftlichen Überlegungen diesem zentralen Ziel untergeordnet waren.

Selbst beim Überfliegen der offiziellen deutschen Daten, die kürzlich publiziert wurden (Gustav Stolper, Henri Lichtenberger, Jurgen Kuczynski, Maxine Sweezy…) zeigt, daß diese Annahmen zweifelhaft sind. In Mannschaftsstärke z.B., wurden eine Million Mann weniger mobilisiert als beim Ausbruch des 1.Weltkriegs. Noch war die Vorbereitung der Industrie mehr eindrucksvoll: die deutsche Flugzeugproduktion am Anfang des Krieges, 675 Stück pro Monat, war ungefähr genauso viel wie die britische. Von Panzern, der Hauptwaffe des Blitzkrieges, wurden 50 Stück monatlich produziert, was von den Briten übertroffen wurde. Ein anderer Anzeiger für die Vorbereitung waren die Vorräte. Juli 39 schätzte die Wehrmacht, daß Benzin, Diesel Eisen, Magnesium und Gummi, nur für ein paar Monate Kampf ausreichten.

Wie die nachfolgenden Ereignisse zeigten, hatten Wirtschaftsfachleute recht, daß sich Deutschland auf Krieg vorbereitete. Aber ihre Interpretation des Charakters der Nazi-ökonmischen Vorbereitung war falsch. In diesem Papier wird gezeigt, daß die Hauptannahme dieser Schreiber, daß Deutschland massive Vorbereitungen traf, sehr übertrieben war… die Produktion für Kriegszwecke war nicht annähernd so groß wie behauptet, und nicht soviel um eine deutliche Erholung des privaten Verbrauchs und Anschaffungen zu verhindern. Hier wird gezeigt, daß die Geldpolitik die Bedingungen setzte…..

Seite 57
(1.) Die Angst vor Inflation

…im Frühjehr 33 hatte sich die Wirtschaft nur wenig vom tiefsten Punkt der Depression erholt… nur 3% darüber. Die Arbeitslosigkeit war von 6 (Anfang 32) erst auf 5,5 Millionen gesunken….
Eine Anzahl von Schreibern haben das Argument gebracht, daß Preis- und Exportpolitik Nazi-Deutschlands nur erklärt werden können durch die Vorbereitung auf einen Krieg… wie aber hier gezeigt wird, war die weitverbreitete Furcht vor Inflation ein andauernder Faktor, der jedenfalls genug Grund lieferte, diese Politik zu praktizieren.
Die andere Seite der Nazi-Wirtschaftspolitik betrifft die positiven Maßnahmen, die ergriffen wurden.. im ersten 4-Jahresplan weiteten die Nazis die Ausgaben für verschiedene Maßnahmen öffentlicher Arbeiten aus, die schon von Papen und Schleicher begonnen worden waren und fügten mehr hinzu… doese waren neu in ihrer politischen Bedeutung aber wirtschaftlich nicht so verschieden von früheren Versuchen, Investment und Verbrauch anzukurbeln…
Als Hitler an die Macht kam, hatte er großes Interesse Deutschland mit Autobahnen auszurüsten und und Autos für die Massen zu produzieren. Die extrem hohen Steuern dafür, wie sie in anderen europäischen Ländern erhoben wurden, wurden gesenkt, Neue Autos konnte man von der Einkommenssteuer abziehen… Für das Ziel der Selbstversorgung wurde die Landwirtschaft begünstigt… hier wurden eher Minimumpreise anstatt Maximalpreisen festgesetzt, wie sonst in der Wirtschaft, um bäuerliche Einkommen zu verbessern.
Die Vergabe von Heiratsdarlehen war eine weitere Maßnahme, die die Nationalsozialistische Ideologie wiedergab. Das Ziel war, Haushaltsausgaben anzuregen und noch wichtiger, Beschäftigung in Haushalten zu fördern und Frauen aus dem Arbeitsmarkt zu nehmen…dies war zusammen mit Propaganda sehr erfolgreich…
Der am meisten diskutierte Aspekt der sozialen Erholung war das Ausgabenprogramm der Regierung und wie es finanziert wurde… hauptsächlich, ob große Defizite zu Inflation und finanziellem Ruin führen würden. Eine Seite argumentierte, daß strikte Kontrolle von Preisen, Löhnen und des Kapitalmarkts der Möglichkeit einer Inflation vorbeugten. Andere dachten, daß die finanzielle Anstrengung für solche Programme mehr war, als Deiutschland tragen konnte und sagten einen Wirtschaftskollaps voraus.
Tatsache ist aber, daß in den Vorkriegsjahren öffentliche Schulden nicht in großem Maße gemacht wurden. Im Vergleich zur jüngsten Kriegserfahrung in den US und GB waren die deutschen Methoden extrem konservativ… die Regierungsausgaben stiegen von 15 Milliarden RM 1933 auf 39 Milliarden 1938, mehr als 4/5 davon wurde durch Steuern eingenommen. (Im Kontrast: in den USA wurde 1932-36 die Hälfte der Regierungsaugaben durch Schulden finanziert). Der 29 Milliarden RM Anstieg desd Defizits war kein Problem, da das Volkseinkommen um 75% angestiegen war und Steuereinnahmen sich verdoppelt hatten… . es folgen Vergleichstafeln… (Hjalmar Schacht fürchtete Inflation)… die Furcht vor Inflation ist wichtig um die Nazi.Einstellung zur Wiederbewaffnung zu erklären.

Seite 62…
(2.) Die Natur der wirtschaftlichen Erholung

Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, waren ganz erfolgreich um das Sozialprodukt und Beschäftigung zu erhöhen… es folgen Tafeln…
Das Bruttosozialprodukt stieg von 59 Milliarden RM 1933 auf 105 Milliarden RM 1938. Von 1933 bis 36 verringerte sich die Arbeitslosigkeit von 4.8 Millionen auf 1,6 und 1938 waren es weniger als 0,5 Millionen…
Die privaten Ausgaben stiegen nicht viel über die von 1928, für die Wiederbewaffnung wurde vom Anstieg der Regierungseinnahmen genommen. Ganz anders als viele Schreiber behauptet hatten. Die Daten des zivilen Verbrauchs zeigen nicht, daß die militärische Rüstung viel davon weggenommen hätte….
Die Autobahnen können nicht zu den Militärausgaben gerechnet werden, da Benzin so knapp war (und Industrie und Militär die Schiene bevorzugten). Ausgaben für Nicht-Kriegszwecke waren 1938 20% höher als 1928 in konstanten Preisen gerechnet. Ausgaben für Waffenfabriken waren erstaunlich niedrig, durchschnittlich halbsoviel wie die Ausgaben für Häuserbau….
Im Ergebnis ist es deutlich, daß kein großer Anteil vom zivilen Wirtschaftssektor für den militärischen abgezweigt wurde….

Seite 68…
(3.) Die Größenordnung der Kriegsvorbereitungen

Es ist nötig zu definieren, was wir meinen mit Ausgaben für Bewaffnung. Wir verwenden den Standart, wie er für die USA benutzt wird.
Die meisten Diskussionen über Deutschlands Kriegsvorbereitungen beginnen damit, daß Hitler behauptete, daß die Nazis 90 Milliarden RM ausgegeben hätten für Wiederbewaffnung. (Reichstagsrede vom 1.9.39 – Adresse siehe unten). Es ist paradox, daß diese Statistik unkritisch akzeptiert wurde, während alle anderen deutschen Daten verdächtig waren. Der Grund ist natürlich, einfach, daß allgemein geglaubt wurde, daß die Vorbereitung eines Krieges die höchste Priorität hätte in der Wirtschaft.
Seite 69…
Tatsächlich, nach unserer Definition, wurden 51 Milliarden in den 6 Haushaltsjahren bis 31.3.39 für Wiederbewaffnung ausgegeben und 55 Milliarden zusammen bis zum Kriegsausbruch.
Dies entspricht etwas weniger als 50% der gesamten öffentlichen Ausgaben für Güter und Dienste, und 10% des Bruttosozialprodukts in diesen 6 Jahren….
Ein deutsche Wirtschaftswissenschaftler sagte zu der Täuschung von Ausländern: „Öffentliche Sicht der Größenordnung der Aufrüstung waren sehr übertrieben. Die deutsche Regierung zu der Zeit tat nichts, die übertriebenen Ideen zu berichtigen; im Gegenteil, hielten sie es wahrscheinlich für wünschenswerte Propaganda, daß die Illusion erzeugt wurde einer kriegsmäßigen Stärke, die in Wirklichkeit in dieser Größe nicht da war.“ (aus Rolf Wagenführ: Aufstieg und Niedergang der deutschen Rüstung, Berlin März 1945, Seite 8).
Die zweite Phase der deutschen Wiederaufrüstung begann im Sommer 1936, als Hitler beschloß, in größerem Maße aufzurüsten. Unzweifelhaft wurde diese Entscheidung beeinflußt durch deutsche Geheimdienstnachrichten, die die Stärke der Russiaschen Armee auf fast eine Million angaben. Solch eine „Bolschewistische“ Übermacht wurde sehr gefürchtet, und so wurden mit dem zweiten Vierjahresplan Vorbereitungen begonnen, die deutsche Vormacht in Europa herzustellen.
Die Sprache Hitlers Memorandums an Göring zu seiner Ernennung im Oktober 1936
Seite 70
als Beauftragter des zweiten Vierjahresplans, läßt keinen Zweifel an Hitlers Wunsch auf ganzer Linie Vorbereitungen zum Krieg zu treffen. Dieses Dokument beginnt mit Hitlers Feststellung, daß Krieg unausweichlich ist. Als Wichtigstes sagt Hitler, „Es wird Deutschlands Aufgabe sein, Europa gegen den Bolschewismus zu verteidigen!“ und zweitens, „Eine Endlösung des Nahrungsproblems kann nur kommen durch die Vergrößerung des Lebensraums.“ Darauf beschuldigte er Schachts Wirtschaftsminisrtterium, die Wiederbewaffnung zu sabotieren und klagte Schacht an, kein Verständnis zu haben für die Mobilisierung der Wirtschaft. Schließlich gab er Göring zwei Befehle: (1.) „Die Wehrmacht muß einsatzbereit sein in vier Jahren“ (2.) „Die deutsche Wirtschaft muß kriegsbereit sein in vier Jahren“

Hitler deutete nicht die Stärke der Wehrmacht an, oder das Ausmaß der wirtschaftlichen Anstrengung, das nötig sein würde, Deutschland auf seine „historische Aufgabe“ vorzubereiten. Noch ist meines Wissens nach, ein solcher Plan in den deutschen Archiven gefunden worden. Es ist deshalb schwierig, einzuschätzen, wie weit die Nazis ihre Ziele steckten… Aber es scheint nicht, daß der Grad der Mobilisierung irgendwie dem Beschluß des Fürers entsprach „der bedingungslosen Unterordnung aller anderen Wünsche unter die Sicherung von Deuen Kriegsausgabentschlands nationaler Existenz.

In den 3 Haushaltsjahren bis zum 31.3.39 hatte Deutschland 40 Milliarden RM für Wiederbewaffnung ausgegeben. 1938 – 39, dem letzten Friedensjahr, betrugen die Militärausgaben 16 Milliarden Mark, eine Summe, die 15% des Bruttosozialprodukts entsprach. So waren die deutschen Ausgaben für Waffen nicht viel höher als die der Alliierten vor ihrem Eintritt in den Krieg. 1939 betrug die Summe der britischen Kriegsausgaben nahezu 15% ihres Bruttosozialprodukts, kaum weniger als Deutschlands. Im Jahr 1941, dem Jahr bevor die USA in den Krieg eintraten, war deren Kriegsausgaben-Verhältnis bei ca.10% – und würde ein höheres absolutes Volumen ergeben, als das Deutschlands…—-

Seite 72

(4.) Die Faktoren, welche die wirtschaftliche Mobilisierung begrenzten

(…) ist es klar, daß 1938 ein viel größerer Anteil des Nationalprodukts für Krieg hätte genutzt werden können. Ziviler Verbrauch und Investment waren, wie wir gesehen haben, auf dem Stand von 1928/29 , während die Regierung zur selben Zeit, ein riesiges Nicht-Kriegsprogramm durchführte. Deshalb erscheint es so, daß es den Deutschen möglich gewesen wäre ihre Kriegsausgaben zu verdoppeln. durch Beschneidung der zivilen Produktion um 10 oder 15%. .. Sie hätten auch ihr Nationalprodukt ausweiten können. Obwohl 1938 Vollbeschäftigung erreicht worden war und der 1929-er Stand der Produktion um 25% überschritten war in diesem Jahr, hatte Deutschland noch immer nicht seine Möglichkeiten der Steigerung ausgeschöpft. ..

Es folgt Vergleich mit USA und GB… einer der Gründe sei Schacht hätte sich geweigert mehr Geld für Rüstung herauszugeben (Reichsbank) gewesen, schreibt Burton Klein dann, er hätte sich geweigert, mehr Geld herauszugeben. für Aufrüstung, nicht aus politischen Gründen, sondern, weil es seinen konservativen Ansichten über Finanzpolitik widersprach. Er habe auch erfolgreich höhere Ausgaben verhindert: Im Haushaltsjahr 36-37 waren es nur 4 Milliarden mehr, als als im Jahr davor. Schließlich wurde er im Januar 1939 entlassen, (…..) Trotzdem blibeb die Finanzen konservativ. Im Dezember 38, nach der Sudetenland-Krise wurden die Militärausgaben zurückgefahren… für 58/39 wurden 11,5 Milliarden veranschlagt, 30% weniger als im Vorjahr… Die Diskussion der finaziellen Hindernisse läßt uns einen Einblick gewinnen in die Nazipolitik. … Es scheint, daß es Hitler weniger gelang, die verschiedenen privaten Interessen seinem zentralen Ziel unterzuordnen, den Krieg vorzubereiten, als das allgemein angenommen worden war…

Diese Überlegungen über die Finanz erklären nicht, warum Deutschland nicht in großem Umfang Kriegsvorbereitungen unternahm, schreibt B.Klein weiter. Die verschiedenen Aufzeichnungen von Treffen und Diskussionen, die die Wiederaufrüstung betrafen, zeigen, daß die Naziführer nur daran dachten die Militärausgaben um ein paar Milliarden RM zu erhöhen oder der Wehrmacht ein paar Divisionen hinzuzufügen…

Der fundamentale Grund warum keine größeren Vorbereitungen unternommen wurden, ist einfach der, schreibt Klein weiter, daß Hitlers Konzept der Kriegsführung das nicht brauchte. Dokumentarische Belege und Befragungen seiner Vertrauten zeigen, daß Hitler nicht erwartete für die Erfüllung seiner territorialen Wünsche länger dauernde Kriege gegen eine Koalition von Großmächten führen zu müssen. Statt dessen plante er, Deutschlands Lebensraumproblem zu lösen durch eine Serie kleiner Kriege. Seine Strategie, wie sie sich entwickelte, war es die innere und äußere politische Einheit eines Feindes zu untergraben, ihn einzuschüchtern mit Drohungen militärischer Zerstörung, und wenn das nicht erfolgreich wäre, mit einem Blitzkrieg eine rasche Kapitulation zu erzwingen. Alles das würde in solch kurzer Zeit geschehen, daß die Demokratien mit einem fait accompli überrascht würden, während sie noch debattierten, ob sie intervenieren sollten oder nicht…. als Beweise: … die Anordnung für den Fall Grün, Tschechei: „…es ist unbedingt wichtig in den ersten 4 Tagen eine Situation zu schaffen, die feindlichen Nationen, die bereit wären zu intervenieren, klar demonstriert, daß die militärische Situation der Tschechoslowakei hoffnungslos ist. Italien gegen Abessinien, die Besetzung des Rheinlandes,
Seite 77
…alle zeigten, daß der Prozess gegen Polen und den Balkan wiederholt werden könne und nach einer Erholung gegen die Ukraine.

Hitlers Strategie benötigte keine großen Kriegsvorbereitungen, schreibt B.Klein, nur zu einem Zeitpunkt die militärische Überlegenheit über Frankreich und England. Dafür wurden 50 bis 60 gut ausgebildete Divisionen und eine Luftwaffe von 2000 Flugzeugen als ausreichend betrachtet…

Der Grund für das fehlerhafte Verständnis der Vorkriegswirtschaft der Nazis sei in erster Linie wegen der Unfähigkeit politischer und ökonomischer Schreiber die wirtschaftliche Bedeutung der Blitzkriegsstrategie zu verstehen.

1959 schreibt Burton Klein:

über den Stand der deutschen Aufrüstung vor Kriegsbeginn „Bis zur deutschen Wiederbesetzung des Rheinlandes im Frühjahr 1936 war die Wiederbewaffnung hauptsächlich ein Mythos… Die bewaffneten Streitkräfte hatten noch nicht einmal eine wirtschaftliche Zentralverwaltung, die die verschiedenartigen Anforderungslisten auf stellen konnte… Die Vorräte an wichtigen Rohstoffen wie Kupfer, Eisenerz, Benzin, Öl und Gummi waren im August 1939 so bemessen, daß sie nur für 3-6 Kriegsmonate ausreichten… 1939 besaß die zivile Wirtschaft noch große Arbeitsreserven… Es gab keine Konzentration von Investitionen in solchen Wirtschaftsbereichen, die mit wirtschaftlicher Kriegsvorbereitung zu tun hatten… Von einem Aufrüstungsprogramm, das so umfangreich wäre, daß es eine grundlegende Wiederbelebung der zivilen Produktion verhindert hätte, kann keine Rede sein… “
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————–Bemerkung zu dem Artikel von Burton Klein————-

Es ist erstaunlich, daß er 1948 durch die Sichtung der Wirtschaftsstatistiken Deutschlands und durch Befragungen usw. zu diesen Ergebnissen gelangt ist. Interessant sind seine Betrachtungen des zivilen Wiederaufbaus nach der Depression 1929-32. An Kriegsvorbereitungen war in Deutschland nicht mehr unternommen worden als in den Alliierten Staaten. Vor dem Krieg und bis 1942 gab es keine Kriegswirtschaft. Es wurde lediglich eine verteidigungsfähige, moderne Armee aufgestellt und der Nachteil durch die Beschränkungen des Versailler Diktats aufgeholt. — nachdem die Abrüstungskonferenzen von Genf gescheitert waren am Widerstand der alliierten Staaten gegen A.Hitlers Abrüstungsvorschläge…. siehe in dem weiteren Artikel… was aber B.Klein nicht erwähnt.

Er geht genauso wie der US Strategic Bombing Survey USSBS von Kriegsabsichten A.Hitlers aus, sogar zu Eroberungen, aufgrund der:

1.) Hoßbach-Niederschrift vom Sept.1937 http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0008_hos&object=translation&st=&l=de

2.) und Hitlers geheimem Memorandum an Hermann Göring anläßlich seiner Ernennung zum Bevollmächtigten des zweiten Vierjahresplanes 1936
als PDF http://www.kurt-bauer-geschichte.at/PDF_Lehrveranstaltung%202008_2009/14_Hitler-Denkschrift_Vierjahresplan.pdf
oder aus dem Heft: PDF http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1955_2.pdf

In der Hoßbach-Niederschrift, wörtlich echt oder nicht, ist von der Sowjetunion nur als entfernter Bedrohung die Rede, auch Polen wird als zu erobernder „Lebensraum“ nicht genannt. Nur der Anschluß der Ostmark, deren Parlament diesen sowieso 1919 beschlossen hatte. Die alliierten Mächte des Versailler Diktats hatten das untersagt unter Mißachtung des Slbstbestimmungsrechtes. Weiter sagt Hitler: die Tschechei wäre in einem günstigen Moment niederzuwerfen. Dazu ist in Wirklichkeit kein Krieg angezettelt worden, sondern ein Einmarsch nach deren Zerfall, auf Ersuchen ihres Premierministers. Die Tschecholowakei hatte nach 1919 genauso gegen das Selbstbestimmungsrecht das Sudetenland mit 3¹/² Millionen Volksdeutschen anektiert. Die Tschechoslowakei war Jahrhundertelang Böhmen und Mähren, vielfach von Deutschen aufgebaut und auch besiedelt, wenn nicht schon von Germanen. Siehe die Geschichte Prags zum Beispiel, und es hatte dort keinen Blitzkrieg gegeben.
Diese Ziele, Anschluß Österreichs und Böhmens, sieht er bis 1944 voraus, nur für den Fall daß Frankreich in andere Kriege verwickelt ist oder eine Revolution erlebt, früher. Die Bedrohung durch den Bolschewismus ist Nachfolgern überlassen. Das heißt ganz klar, im Nov.1937 hat Hitler keine weiteren „Lebensraum“-Ziele, auch nicht in Polen. Zu Polen siehe Gerd Schultze-Rhonhof: „1939, Der Krieg Der Viele Väter Hatte“ und www.vorkriegsgeschichte.de

Trotzdem ist Burton Kleins These und sind seine Ergebnisse eine Revision der üblichen Darstellungen der Wirtschaft in der NS-Zeit, die bis heute verbreitet werden. Er gebraucht den Begriff „Nazis, wie er in der alliierten Propaganda üblich war. Man muß diese Zeit im Zusammenhang mit der Weimarer Republik, dem Versailler Diktat und dem 1.Weltkrieg betrachten, siehe Gerd Schultze-Rhonhof.

Zum selben Ergebnis kommt die Zusammenfassung des USSBS, der 1945 die Auswirkungen und Verwüstungen des Bombenkrieges gegen die deutschen Städte dokumentieren sollte und auch die Kriegswirtschaft untersuchte (siehe als Artikel weiter unten.)

Burton Kein war angestellt beim USSBS, der dann in Bad Nauheim einquartiert war unter Leitung von John K.Galbraith. Die Creme jüngerer Wirtschaftswissenschaftler, und sie verfügten über die ausgelagerten Bestände des Statistischen Reichsamtes mit den statistischen Schnellberichten. Einen geeigneten Interpreten fand man in dem Leiter der Industrieabteilung des Instituts für Konjunkturforschung, Rolf Wagenführ (Die deutsche Industrie im Kriege 1939-45, Berlin 1955, Statistisches Handbuch von Deutschland 1928-44 München 1949).
– siehe Vierteljahreshefte des Instituts für Zeitgeschichte, Werner Abelshauser, „Kriegswirtschaft und Wirtschaftswunder“ Jahrgang 47, 1999, Heft 4. PDF-Datei: http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1999_4.pdf
Abelshauser verdreht aber einiges und stellt seine eigenen Wirtschaftsthesen inklusive Verdächtigungen über Kriegsabsichten auf.
Burton Klein hat zehn Jahre später 1959 ei ausführlicheres Buch über seine hier beschriebenen Thesen veröffentlicht.

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—Adresse zu dem englischen Artikel von Burton Klein – PDF: http://piketty.pse.ens.fr/files/capitalisback/CountryData/Germany/Other/Pre1950Series/RefsHistoricalGermanAccounts/Klein48.pdf
oder auch PDF unter: https://einedeutscheweise.wordpress.com/bucher-3/
—dort auch die Adressen zum USSBS summary (engl.) – oder unter http://www.anesi.com/ussbs02.htm
—Die Rede Adolf Hitlers vor dem Reichstag 1.Sept.1939 findet sich in der Liste unter 4.Wahlperiode 1939 bei http://www.reichstagsprotokolle.de/rtbiiiauf.html
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———- bitte weiterlesen bei: https://einedeutscheweise2.wordpress.com/2014/02/13/aufustung-zum-2-weltkrieg-teil2/

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Written by einedeutscheweise

24. Februar 2012 um 18:00

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